Nordkurier.de

Die wichtigsten Antworten zur angedrohten Internet-Drossel

Informationen, Musik, Filme herunterladen. Urlaub buchen. Fotos bestellen. Kontakte pflegen. Auf das schnelle Internet wollen díe meisten Haushalte nicht mehr verzichten. [KT_CREDIT] FOTO: Nmedia©Fotolia.com
Informationen, Musik, Filme herunterladen. Urlaub buchen. Fotos bestellen. Kontakte pflegen. Auf das schnelle Internet wollen díe meisten Haushalte nicht mehr verzichten. [KT_CREDIT] FOTO: Nmedia©Fotolia.com

Die Pläne der Deutschen Telekom, Obergrenzen für das Datenvolumen im Festnetz einzuführen, treffen auf Gegenwind der Bundesregierung. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zeigte sich in einem Brief an Telekom-Chef René Obermann besorgt. Alle Fragen und Antworten zu diesem Streitthema hat Andrej Sokolow zusammengetragen.

Für wen gelten die Obergrenzen?
Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag vom 2. Mai 2013 an abschließen. „Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen“, versprach die Telekom in ihrer Mitteilung. Gelten soll die Tempo-Bremse zudem „nicht vor 2016“.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein
gewöhnlicher Haushalt die Obergrenze in seinem Tarif überschreitet?
Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf 15 bis 20 Gigabyte im Monat.
Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Daten-Obergrenze von 75 Gigabyte für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 MBit pro Sekunde. Allerdings nimmt der Videokonsum aus dem Netz rasant zu. Neue TV-Geräte sind Internet-tauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Daten-Hunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen.

Wie weit kommt man denn mit 75 Gigabyte?
Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming.
Wenn solche Online-Dienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem Daten-Kontingent.

Was ist mit den anderen Anbietern?
Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder des ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusiv-Volumen verbrauchen.
Bis 2016 könnten die Anbieter aber Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen „Managed Service“ garantieren. Dienste solcher Partner tasten das Daten-Kontingent ebenfalls nicht an. Oder die Anbieter könnten sich zum Kampf gegen die Regelung entschließen.

Was passiert, wenn man das Inklusiv-Datenvolumen überschritten hat?
Entweder man begnügt sich mit der Vor-DSL-Geschwindigkeit von 387 Kilobit pro Sekunde, mit der man vielleicht E-Mails checken und mit viel Geduld auch im Internet surfen kann. Oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt.

Machen andere Internet-Provider bei der Drosselung mit?
Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit/s erhöht werden könnten.
Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen – sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert es aber erst ab
60 GB am Tag. Und zum Beispiel bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von
1 MBit/Sekunde.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×