Nordkurier.de

Alter Baum sucht neue Heimat

Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Das Sprichwort hat einiges für sich: Ein Baum hat nicht nur eine große Krone, sondern ein breitgefächertes Wurzelwerk. Das wird beim Ausgraben beschädigt. Aber der Umzug ist möglich – er muss nur gut vorbereitet und fachmännisch ausgeführt werden.
„Oft stellt sich nach einiger Zeit heraus, dass ein Baum für den bisherigen Standort zu groß ist oder auch zu groß wird“, sagt Karin Falch, Beraterin bei der Saarländischen Gartenakademie in Lebach. Beim Pflanzen wurden etwa die Platzansprüche des Gehölzes unterschätzt. Oder ein Anbau verringert das verfügbare Platzvolumen, oder benachbarte Gehölze bringen den Baum in Bedrängnis. „Immer wieder sind auch Nachbarn der Anlass: Sie beschweren sich über Äste, die überhängen und häufig geschnitten werden müssen, oder auch über unerwünschten Schatten“, sagt Christoph Dirksen vom Bund Deutscher Baumschulen in Pinneberg. „Viele Gartenbesitzer wollen ihr Grundstück auch einfach nach ein paar Jahren umgestalten“, sagt Thomas Kleinworth vom Landesverband Schleswig-Holstein der Gartenfreunde in Ellerhoop.
Aber egal aus welchem Grund: „Je größer ein Baum wird, umso schwieriger wird das Umpflanzen“, warnt Gartenberaterin Falch. Daher sollte man das immer so schnell wie möglich erledigen, und man sollte sich von einem Fachmann beraten lassen. „Aber auch er wird nicht garantieren können, dass es was wird“, sagt Falch. Das sieht Dirksen genauso. „Der Baum sollte nicht länger als vier Jahre am bisherigen Standort stehen und sein Stammumfang direkt über der Erde nicht größer sein als der einer Cola-Dose“, erläutert er. „Bei allen größeren Bäumen wird das Verpflanzen durch Privatpersonen – selbst mit vielen netten Nachbarn und gutem Gerät – grenzwertig.“
Man sollte den Baum in der Vegetationsruhe von November bis spätestens April verpflanzen. Der Boden sollte nicht gefroren sein. Die Krone wird um 25 bis 40 Prozent ausgelichtet und dicke Äste entfernt, sagt Dirksen. Der Rückschnitt erleichtert das Verpflanzen. Man sticht mit einem Spaten tief kreisförmig um den Stamm in den Boden, um die Ballen aus der Erde zu lösen. Kleinworth rät, den Umfang des Stammes als Mindestradius des Kreises zu nehmen. Nur so erwischt man beim Ausgraben viele Feinwurzeln. Alle Wurzeln sollten möglichst glatt durchtrennt werden. Deshalb wird rund um den gestochenen Rand ein Graben ausgehoben, von dem aus man die Wurzeln unten im Erdreich abstechen kann. Das Pflanzloch am neuen Standort sollte deutlich größer sein als der Ballen. Es werde am besten mit Kompost und Blumenerde präpariert, rät Kleinworth. Das Loch wird mit Erde gefüllt, und für stabilen Halt sorgen Pfähle. „Sie müssen unbedingt im gewachsenen Boden stehen, nicht im Pflanzboden“, sagt Dirksen. Schließlich wird an der Außenkante des Ballens ein Gießrand geschaffen, die Erde fest angetreten und der Boden gründlich gewässert.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×