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Konflikte an der Grundstücksgrenze durch weitsichtige Planung vermeiden

VonSandra Ketterer

Lästiges Laub, mächtige Wurzeln und Bäume, deren Pollen Allergikern das Leben schwermachen. Wenn der Streit um Pflanzen am Gartenzaun eskaliert, landet er nicht selten vor Gericht.

Berlin.Es ist der klassische Streit zwischen Nachbarn: Die Birke ragt aufs Nachbargrundstück, das Laub verstopft die fremde Regenrinne und nimmt den gepflegten Rosen des Nachbarn das Sonnenlicht. Glücklich ist, wer sich mit seinem Nachbarn gut genug versteht, um das Problem unter vier Augen zu lösen. Landet der Fall vor Gericht, wird es schwierig. Denn die Regeln für Pflanzen an Grundstücksgrenzen sind nicht ganz einfach und nicht bundesweit einheitlich. Grundsätzlich gilt: „Jeder darf auf seinem Grundstück die Bäume und Pflanzen setzen, die er will“, sagt Kai Warnecke vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Bei Mietern komme es darauf an, ob es sich um eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus oder um ein Einfamilienhaus mit eigenem Garten handelt, ergänzt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. In einem Haus mit mehreren Parteien müsse sich der Hobby-Gärtner mit seinen Nachbarn und dem Vermieter abstimmen, beim Einfamilienhaus sei es der Vermieter, der gefragt werden will.
An der Grundstücksgrenze gelten aber andere Regeln. Jedes Bundesland habe ein eigenes Nachbarrecht, das sich in Bezug auf die Grundstücksbepflanzung grob in zwei Linien einteilen lasse, sagt Warnecke. Die einen hätten festgelegt, wie nah bestimmte Strauch- und Baumarten am Zaun stehen dürften. Die anderen hätten geregelt, wie weit Pflanzen einer bestimmten Höhe von der Grundstücksgrenze weg gepflanzt werden müssen.
So unterschiedlich die Rechtslage ist, so unterschiedlich sind auch die Ergebnisse, wenn Streitfälle vor Gericht enden. „Urteile gibt es da viele, aber sie sind oft sehr unterschiedlich“, sagt Martin Breidbach, Gartenberater beim Verband Wohneigentum Hessen. Die Richter fällten viele Entscheidungen, die nur auf den Einzelfall anwendbar seien. „Hauptstreitpunkte sind der Grenzabstand von Gehölzen und zu dicht stehende Hecken“, erklärt Breidbach. Stehen Hecken etwa so nah am Zaun, dass der Besitzer sie nicht mehr von seinem Grundstück aus schneiden könne, sei er auf den Nachbarn angewiesen. Schließlich müsse der ihn dafür auf sein Grundstück lassen. Breidbach empfiehlt, die Paragrafen des jeweiligen Landesrechts zu lesen und auf eventuelle Vorgaben der Kommunen zu achten. Denn so lässt sich Streit vermeiden.
Generell gilt: Blumen und Büsche, die nicht allzu hoch sind, könnten direkt am Zaun gepflanzt werden, erklärt Warnecke. Zweige und Blätter sollten aber nicht auf das Nachbargrundstück hängen. Gleiches gilt für Hecken. Denn der Nachbar sei berechtigt, Wurzeln an der Grundstücksgrenze zu kappen, erläutert Breidbach.
„Bei Hecken definiert sich die Höhe nach dem Abstand zur Grenze“, sagt Breidbach. Wird die Hecke höher als zwei Meter, müsse sie mindestens 75 Zentimeter vom Nachbargrundstück entfernt sein. Wenn Zweige oder gar Wurzeln des Nachbarn Garten oder Haus stark beeinträchtigen, muss der Besitzer der Hecken oder Bäume Abhilfe schaffen. Der Nachbar dürfe ihm eine angemessene Frist setzen, wenn er sehr gestört werde. Nach Ablauf der Frist dürfe er selbst die Hecke kürzen.
Fühle sich jemand durch Laub oder Schatten auf seinem Gelände gestört, sei das aber noch kein ausreichender Grund zur Klage, sagt Warnecke.

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