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Per Postkutsche über Stock und Stein durch Deutschland

VonGrit Büttner

Nicht um die Welt, aber durch Deutschland:
In 33 Tagen will ein Mecklenburger Pferdezüchter mit der Postkutsche vom Kap Arkona bis zur Zugspitze fahren. Die Tour führt entlang historischer Handelswege.

Dabel.Hoch auf dem gelben Wagen fühlt sich der Mecklenburger Pferdezüchter Helmut Deutschkämer fast wie zu Hause. Seit Juli 1999 kutschiert er Touristen mit einer nachgebauten englischen „Mail Coach“, der Replik einer Londoner Postkutsche von 1806, durch Mecklenburg-Vorpommern. An die 70000 Kilometer habe das historisch anmutende Gefährt schon in den Reifen, sagt der 61-Jährige aus Dabel im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Jetzt bereite er sich auf sein Meisterwerk vor: Eine 33 Tage dauernde Tour solle ihn auf dem Bock und seine illustre Reisegesellschaft vom 1. Juni bis 3. Juli einmal längs durch Deutschland vom Kap Arkona bis zur Zugspitze führen.
Starten werde die bisher längste Kutschfahrt seines Lebens am alten Leuchtturm vom Nordkap der größten deutschen Insel, Rügen, erzählt der Landwirt. Teils auf historischen Post- und Handelswegen gehe es dann mit sechs vorgespannten Pferdestärken und einer Reisegeschwindigkeit wie vor 200 Jahren von fünf, sechs Stundenkilometern über insgesamt rund 1200 Kilometer von Nord nach Süd – über Brandenburg, Sachsen, Thüringen schließlich nach Bayern bis zur Zugspitzen-Seilbahnstation am Eibsee bei Garmisch-Partenkirchen.
Gespannt auf die Reisenden aus dem Norden ist auch Postkutscher Josef Sailer aus Garmisch. „Schwierig wird sein, den richtigen Weg durch die Bundesrepublik zu finden“, vermutet der Unternehmer. Heutzutage seien viele historische Postrouten durch Schnellstraßen und Autobahnen unterbrochen oder gar ersetzt worden, auf denen Kutschen nichts zu suchen haben, erklärt Sailer. Da müssten oft Umwege gefahren werden. Laut Tourist-Information haben Postkutschenreisen für Sommerfrischler im Zugspitzland eine lange Tradition bis ins 19. Jahrhundert hinein.
„Die sechs Stuten, Mecklenburger Warmblüter, erbringen auf der Tour durch ganz Deutschland ihre bislang höchste Ausdauerleistung“, sagt Postkutscher Helmut Deutschkämer. Herausforderung für die Tiere sei vor allem der Straßenverkehr, weiß der Mecklenburger Gespannfahrer. Viele Autofahrer würden viel zu dicht und schnell an Pferdewagen vorbeiziehen. Für Gäste gebe es auf der drei Meter hohen Kutsche zwölf Plätze. Vier Reisende würden die gesamte Strecke mitfahren, weitere Urlauber hätten für einzelne Wochen eine Mitreise gebucht.
Ziel sei naturnaher Tourismus und die Entdeckung der Langsamkeit, erklärt Deutschkämer. Der Sechs-Spänner werde in den knapp fünf Reisewochen jeweils sechs Tage am Stück durchrollen und dann einen Ruhetag einlegen. Jeden Tag 30 bis 60 Kilometer ginge es sechs bis acht Stunden lang im Schritt, Trab und Galopp durch Wald und Flur, über Feldwege und Nebenstraßen. Begleitet werde die Kutsche von einem Lastwagen mit Anhänger. Denn für die Zugpferde müssten fast zwei Tonnen Kraftfutter und Mineralstoffe sowie viel Heu und Stroh mitgenommen werden.

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