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Serbischer Kriegsveteran erschießt 13 Verwandte

Ein 60-jähriger Serbe läuft Amok und erschießt seine Verwandten. Was die Bluttat ausgelöst hat, ist unklar. [KT_CREDIT] FOTO: Dpa
Ein 60-jähriger Serbe läuft Amok und erschießt seine Verwandten. Was die Bluttat ausgelöst hat, ist unklar. [KT_CREDIT] FOTO: Dpa

Von dpa-Korrespondent
Thomas Brey

Gestern noch normal, heute ein kaltblütiger Mörder: Warum erschießt ein unauffälliger 60-Jähriger Menschen, die ihm nahe stehen? Der Schütze kämpfte im Bürgerkrieg, viele Veteranen leiden an posttraumatischen Störungen.

Belgrad.Die Regierung kommt zu einer Sondersitzung zusammen, Staatstrauer wird angeordnet: Serbien reagiert bestürzt auf den Amoklauf eines 60-Jährigen südlich von Belgrad. Nachbarn aus dem Dorf Velika Ivanca beschreiben den Mann als friedfertig und zuvorkommend. Noch am Vortag sei er „völlig normal“ gewesen, berichtet eine Nachbarin. Nichts habe auf ein Blutbad hingedeutet. Am Dienstagmorgen erschoss der Mann 13 schlafende Verwandte – sechs Frauen und sechs Männer sowie einen zweijährigen Jungen. Seine Ehefrau verletzte der Täter lebensgefährlich, auch gegen sich selbst richtete er die Waffe. Der Mann liegt im Krankenhaus. Der 60-Jährige hatte Anfang der 90er Jahre im Grenzgebiet zwischen Serbien und Kroatien im Bürgerkrieg gekämpft, bestätigte die Polizei. Niemand weiß, ob diese Kriegserlebnisse hinter dem Verbrechen stehen. Fest steht nur, dass die Hunderttausenden Kriegsveteranen in Serbien aber auch in Kroatien eine sozial und mental gefährdete Gruppe sind.
Im vergangenen Februar hatte sich auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg mit den Problemen befasst und den serbischen Veteranen das Recht auf noch ausstehenden Kriegssold zugesprochen. Die vielen Selbstmorde wegen unbehandelter posttraumatischer Störungen werden nicht einmal genau registriert. Viele Kriegsversehrte werden mit ihren Verletzungen alleingelassen. Immer wieder haben Zehntausende Kämpfer in den letzten Jahren für die Auszahlung des noch ausstehenden Solds demonstriert. Würde der Staat all diese Forderungen erfüllen, wäre er bankrott – so groß ist das Problem.

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