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Wenn die Pflanzen Hunger haben

Meist reichen die Nährstoffe im Boden nicht aus. Der Hobbygärtner muss also nachhelfen, zum Beispiel mit Stickstoff-Phosphor- Dünger, Pellets aus Pferdemist, Gründüngung oder eigenem Kompost.  FOTOs: Bernd Wüstneck/Volker Nies/Rainer Sturm/Jens Schierenbeck
Meist reichen die Nährstoffe im Boden nicht aus. Der Hobbygärtner muss also nachhelfen, zum Beispiel mit Stickstoff-Phosphor- Dünger, Pellets aus Pferdemist, Gründüngung oder eigenem Kompost. FOTOs: Bernd Wüstneck/Volker Nies/Rainer Sturm/Jens Schierenbeck

VonStefanie Lanin

Richtiges Düngen ist so kunstvoll wie Klavierspielen, sagt Franz Marx. Jedes Gemüse braucht andere Mengen an Stickstoff, Phosphor und Kalium. Einzeln sind die Mittel aber kaum noch zu kriegen.

Neubrandenburg.Nur von Luft und Liebe gedeihen Möhren und Kartoffeln nicht. Sie alle brauchen Nahrung und nicht immer gibt der Boden genug her. Wenn die Pflanzen Hunger haben, muss der Gärtner „füttern“. Was wann und in welcher Menge zugeführt werden muss, ist jedoch hohe Kunst. „Aus einer über 40-jährigen Tätigkeit als Hobbygärtner kann ich behaupten, dass die Düngung im Kleingarten zu den kompliziertesten Aufgaben gehört“, sagt Franz Marx. Es sei ein bisschen wie Klavierspielen. „Das kann man nur, wenn die Finger beider Hände zum richtigen Zeitpunkt und der richtigen Dauer auf die richtigen Tasten drücken“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Neubrandenburger Kleingartenvereins Datzeniederung.
Die erste Frage sei stets: Was habe ich an organischen Düngemitteln? Der „wertvollste“ organische Dünger sei der Kompost. „Er bietet die besten Grundlagen zur Ausbildung stabiler Ton-Humus-Komplexe“, erläutert der Kleingärtner. Eine fast doppelt so große Dünge-Wirkung habe jedoch Stalldung. Franz Marx setzt ihn in seinem Garten in der Datzeniederung allerdings nicht ein. „Denn Stalldung gehört nicht auf Moor.“ Vorsicht sei auch bei Möhren, Zwiebeln, Sellerie oder Rettich geboten, wenn gerade frisch mit Stalldung oder Kompost gedüngt wurde. „Es kann dann zu einem Fliegenbefall kommen“, erklärt Franz Marx. Seiner Ansicht nach reichen organische Dünger in der Regel nicht aus, um den Hunger der Pflanzen zu stillen. Der 79-Jährige setzt deshalb mineralische Dünger ein.
Im Handel gibt es vor allem Mehrnährstoffdünger, die Komponenten in einem festen Verhältnis enthalten. Dazu gehört zum Beispiel Blaukorn oder Thomaskali. Hinzu kommen viele Spezialdünger für Tomaten, Erdbeeren und andere Früchte sowie Langzeit- oder Depotdünger. „Man kann allein für Rasendünger über zehn verschiedene Packungen kaufen“, sagt Franz Marx. „Bei diesem kaum noch überschaubaren Angebot wundert es mich gar nicht, wenn der Kleingärtner sich überfordert fühlt und wieder zum Blaukorn greift.“ Dabei ist die Liste der Nachteile lang: Die Zusammensetzung der Mehrnährstoffdünger ist nicht veränderlich und je nach angebauter Frucht braucht der Hobbygärtner mehrere Düngerarten. „Eine Überdüngung mit einem oder mehreren Nährstoffen kann dabei nicht ausgeschlossen werden“, erläutert Franz Marx. Starkzehrer wie Kohl, Gurken und Tomaten erhalten im Jahr etwa dreimal Stickstoff. „Es müssen dann zu jeder Gabe gleichzeitig auch die übrigen Nährstoffe mit ausgebracht werden.“ Bei Leguminosen wie Erbsen und Bohnen ist das Problem genau andersherum. Sie haben ihre eigene Stickstofffabrik in den Knöllchenbakterien. „Eine unnötige Stickstoff-Gabe ist hier fehlerhaft, weil sie den kostenlosen Stickstoff-Gewinn ausschaltet“, erläutert der 79-Jährige. Außerdem seien Mehrnährstoffdünger schlicht teurer. Einzelnährstoffdünger sind jedoch immer schwieriger zu bekommen. Kalkammonsalpeter, Schwefelsaures Ammoniak, Harnstoff und Kaliphosphat finde man nur noch selten, Superphosphat und Thomasmehl überhaupt nicht mehr, erzählt Franz Marx. Manchmal haben Futtermittelmärkte jedoch Einzelnährstoffdünger im Angebot.
Franz Marx nutzt in seinem Niedermoor-Garten für die Grunddüngung Thomaskali. „Das ist aufgrund seines Phosphor-Gehaltes von 8 Prozent und einem Kalium-Gehalt von 13 Prozent hervorragend für alle Kulturen mit geringen Ansprüchen geeignet.“ Erdbeeren bekommen die Grunddüngung schon im Vorjahr im Juli, Knoblauch im August und Frühkartoffeln so früh wie möglich. Alle anderen Gemüsepflanzen werden bei Aussaat oder Pflanzung grundgedüngt. Bei Stickstoff empfiehlt Franz Marx eine gemeinsame Gabe mit der Grunddüngung. „Wo erforderlich, kann man Stickstoff aber auch während der Wachstumsphase als Kopfdüngung geben.“ Aus seiner Erfahrung eignet sich dafür Kalkammonsalpeter für Steckzwiebeln, Sellerie, Rote Beete, Gurken und alle Kohlarten sowie Schwefelsaures Ammoniak für Tomaten und Erdbeeren bei einjähriger Nutzung. Für die Blattdüngung eigne sich Harnstoff mit 46 Prozent Stickstoff hervorragend. „Er löst sich im kalten Wasser sofort auf und wirkt langsam und nachhaltig“, sagt Franz Marx. Bei zu hoher Konzentration bestehe jedoch Verbrennungsgefahr.
Kalk ist hingegen nicht so sehr für den Pflanzenhunger, sondern vielmehr für die Bodenqualität an sich von Bedeutung. „Er ist wichtig für den pH-Wert, die Stabilisierung des Bodengefüges und begünstigt die Tätigkeit der Mikroorganismen“, beschreibt Franz Marx. „Auch die Verfügbarkeit der Nährstoffe hängt vom richtigen Kalk-Gehalt ab. So nimmt zum Beispiel die Löslichkeit von Phosphor mit steigendem pH-Wert ab.“ Bei einem pH-Wert von 5,5 bis 6 reiche auf leichten Böden eine Erhaltungskalkung von 90 bis 120 Gramm je zehn Quadratmeter. „Bei allen anderen Böden sind 200 bis 250 Gramm alle drei bis vier Jahre sinnvoll“, sagt der Kleingärtner und gibt noch eine kleine Warnung mit auf den Weg: „Nicht alle Pflanzen vertragen eine frische Kalkung. Dazu gehören Kartoffeln, Tomate, Erdbeeren, Erbsen, Bohnen, Möhren, Paprika und viele andere.“

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s.lanin@nordkurier.de

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