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Zukunft in Stralsund: Maisonette-Wohnung überm Supermarkt

Der geplante Komplex gliedert sich in 24 kleinteilige Häuser, die der historischen Bausubstanz der Stadt angepasst wurden.
Der geplante Komplex gliedert sich in 24 kleinteilige Häuser, die der historischen Bausubstanz der Stadt angepasst wurden.

Einst betrieben hier Töpfer, Goldschmiede, Knochenschnitzer, Möbelbauer und ein Schmied ihre Werkstätten und Verkaufsbuden. Im historischen Altstadt-Quartier 17 unmittelbar hinter dem Stralsunder Rathaus, das belegen Grabungsfunde, brodelte im Mittelalter das Leben. Nun beziehen in wenigen Wochen neue Mieter das Areal, auf dem ein für Mecklenburg-Vorpommern einzigartiges Wohn- und Geschäftszentrum entstand. Das Beispiel zeigt, wie Innenstädte wieder an Attraktivität gewinnen und Kundschaft aus den auf der Grünen Wiese errichteten konkurrierenden Supermärkten zurückgeholt werden können.

Im Zweiten Weltkrieg von einem abstürzenden amerikanischen Bomber zerstört, prägte zu DDR-Zeiten eine weitgehend ungenutzte Freifläche mit defektem Springbrunnen und kleinen Verkaufsständen das innerstädtische Quartier. In den vergangenen vier Jahren entstand hier ein Gebäudekomplex, dem jetzt die Fassade von 24 Altstadthäusern verpasst wird. „Es ist das größte innerstädtische Bebauungsprojekt der TLG Immobilien GmbH im Nordosten Deutschlands“, sagt deren Niederlassungsleiter Jörg Lammersen.

Ausgrabungen verzögerten die Bauarbeiten

Nachdem schon im Jahre 2008 vom damaligen Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) der Grundstein gelegt worden war, verzögerten sich die Bauarbeiten immer wieder. Weil der erste Planer scheiterte, musste sich die Stadt nach einem neuen Betreiber umsehen. Mit der TLG habe man einen verlässlichen Partner gewonnen, sagt Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU). Das Berliner Unternehmen habe in Stralsund schon ein Bürocenter, das Haus der Volkssolidarität und mehrere Wohn- und Geschäftshäuser gebaut und vermarktet. Auch die Sanierung der verseuchten ehemaligen Ölspaltanlage am Rügenzubringer sei unter TLG-Kontrolle erfolt.

Für Quartier 17 erwarb die TLG alle Projektunterlagen, musste sie aber teilweise neu überarbeiten und neue Nutzungsverträge aushandeln. Dann mussten die Bauarbeiten wegen umfassender archäologischer Untersuchungen immer wieder verschoben werden. Hinzu kamen außerordentlich komplizierte Gegebenheiten. Weil zum Beispiel in der Innenstadt auf engstem Platz gebaut werden musste, wurden die dafür erforderlichen drei Kräne innerhalb des Bauwerks errichtet und später wieder demontiert. Zuletzt führten auch noch winterliche Baubedingungen in diesem Frühjahr dazu, dass das Zentrum nun insgesamt 22 Monate später als ursprünglich geplant eingeweiht wird.

Bereits 80 Prozent der Verkaufsflächen vermietet

Im Innern des rund 34 Millionen Euro teuren, vierstöckigen Neubaus entstanden mehr als 6300 Quadratmeter Verkaufsfläche. Rund 80 Prozent davon wurden bereits vermietet, unter anderem an eine große Handelskette, die den ersten großen Verbrauchermarkt in der als Weltkulturerbe geschützten Altstadt öffnen wird.
Insgesamt werden zwölf Anbieter größere Filialen betreiben. Hinzu kommen viele kleinere Händler, die im Außenbereich kleine Geschäfte einrichten wollen.

Eine zweistöckige Tiefgarage mit 190 Pkw-Stellflächen soll Kunden von den Großmärkten am Stadtrand wieder in die Innenstadt locken. „Das Einkaufverhalten wird sich wieder nachhaltig zugunsten der Altstadt verändern“, kündigt Joachim Eichbaum, kaufmännischer Mitarbeiter der TLG, an. Er rechne damit, dass auch benachbarte Einrichtungen wieder die Marktmeile bereichern werden. Zu ihnen gehört auch das erst 1995 gebaute Löwensche Palais gleich gegenüber, das wegen angekündigter Umbauarbeiten seit Monaten leer steht.

Gesucht werden Mieter mit großem Geldbeutel

Neben den Ladeneinrichtungen entstehen im zweiten Obergeschoss, rund um eine begrünte Freifläche, auch 2800 Quadratmeter für Büros und Arztpraxen. Die Verhandlungen laufen derzeit. Die beiden darüber befindlichen Etagen werden zu 30 attraktiven, zum Teil behindertengerechten Wohnungen ausgebaut. Ein Verkauf sei nicht vorgesehen, die Wohnungen sollen an Mieter mit gehobener Bonität vergeben werden.
Für die zwischen 50 und 120 Quadratmeter großen City-Appartements mit Balkons und Dachterrassen haben schon zahlreiche Mieter Interesse bekundet. Die Mietpreise beginnen bei acht Euro je Quadratmeter. Für eine Maisonette mit traumhafter Terrassen-Sicht auf die Altstadt müssen höhere Kosten veranschlagt werden.
„Wir werden die Wohnungen in Kürze im sogenannten Windhund-Verfahren vergeben“, sagt Eichbaum. Studenten-WG’s werde es hier nicht geben.

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