
| Geschichte |
von Redaktion
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Mit einer Gedenkstunde im Festsaal des Schweriner Schlosses erinnert der Landtag am Freitag an die Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Führende Politiker der demokratischen Fraktionen im Landtag und Regierungsmitglieder hoben am Donnerstag die Bedeutung des Gedenktages hervor und riefen zur aktiven Verteidigung von Demokratie und Toleranz auf.
Es gelte, die Erinnerung an Kinder, Frauen und Männer wach zu halten, die in der Zeit der menschenverachtenden Naziherrschaft verfolgt, gequält und ermordet wurden. „Und wir müssen diese Erinnerungen als Mahnung an die uns folgenden Generationen weitergeben“, betonte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD).
Holocaust-Überlebener hält Rede
Als Gastredner wird der Holocaust-Überlebende Erich Kary sprechen, der als Jugendlicher zunächst als Zwangsarbeiter eingesetzt war und 1943 von den Nazis in das Konzentrationslager (KZ) Auschwitz gebracht wurde. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges geriet Kary auf einem der sogenannten Todesmärsche schließlich ins KZ Wöbbelin, wo er am 2. Mai mit anderen Häftlingen befreit wurde.
Der heute 87 Jahre alte Mann wurde in Ludwigslust heimisch, wo er noch immer lebt. Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider hatte Kary gebeten, als Zeitzeuge die Gedenkrede zu halten.
Der Landtag fördert seit Jahren auch ein Jugendprojekt, das Schülern aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg Begegnungen mit Überlebenden des NS-Regimes ermöglicht. Einer Umfrage zufolge kann jeder fünfte junge Erwachsene in Deutschland nichts mit dem Begriff Auschwitz anfangen.
Gedenktag seit 1996
Am 27. Januar wird seit 1996 bundesweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. An diesem Tag im Jahre 1945 hatte die Rote Armee die Insassen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz befreit.
Die Gedenkstunde am Freitag im Festsaal des Schlosses wird künstlerisch gestaltet von Preisträger des Bundesjugendwettbewerbs „Jugend musiziert 2011“ und Studenten der Hochschule für Musik und Theater in Rostock.
NPD verweigert Gedenkstunde
Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Norbert Nieszery, erinnerte an die historische Verantwortung der Deutschen. Sie bestehe darin, „alles dafür zu tun, dass sich die Verbrechen, die die Nazis im Namen einer mörderischen Ideologie begangen haben, niemals wiederholen“. Nieszery zeigte sich aber überzeugt davon, dass die Demokratie mittlerweile so gefestigt sei, „dass auch die neuen Nazis von der NPD diese nicht erschüttern können“.
Die rechtsextreme NPD ist mit fünf Abgeordneten im Schweriner Landtag vertreten, die sich in Plenarsitzungen dem Gedenken an NS-Opfer meist demonstrativ widersetzten. Sellering erneuerte die Forderung nach einem baldigen NPD-Verbotsverfahren. „Weder alte noch neue Nazis haben bei uns einen Platz“, betonte er.
„Engagement ist der Humus der Demokratie"
CDU-Fraktionschef Vincent Kokert mahnte, dass Demokratie vom Engagement des Einzelnen lebe. Dieses Engagement könne im Verein, in Kommunalvertretungen, Kirchen, Gewerkschaften, aber auch in Arbeitgeberverbänden oder Bürgerinitiativen gezeigt werden. „Das ehrenamtliche und freiwillige Engagement ist der Humus der Demokratie“, betonte Kokert.
Der Vorsitzende der Linksfraktion, Helmut Holter, sagte, es sei erschreckend, dass immer mehr jungen Leuten die Geschichtskenntnisse fehlten. Dies mache deutlich, wie wichtig es sei, aufzuklären, zu erinnern und zu mahnen, wohin rechtsextremistisches Denken und Handeln, wohin Intoleranz, Hass und Gewalt führten.
Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus hat neue Aktualität
Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr forderte als Lehre aus der Geschichte, „ohne Kompromisse für die unantastbare Würde jedes einzelnen Menschen und für die Menschenrechte einzutreten“. Verbrechen wie unter den Nazis dürften sich niemals wiederholen.
Nach Meinung von Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) hat angesichts der Mordserie, die der Zwickauer Terrorzelle zugeschrieben wird, die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus eine neue Aktualität bekommen. Rechtsextremistische Gewalttäter müssten schnell und effektiv bestraft werden. „Ich strebe Strafen an, die von diesen Kreisen als spürbare Sanktionen wahrgenommen werden“, erklärte Kuder.
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