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Auch im Ruhestand noch unter Spannung

Noch muss Jörg Busse aufs Radeln verzichten. Im Sommer aber hofft das Ehrenmitglied des SV Turbine mit seiner Frau Marie-Luise wieder auf Tour gehen zu können. [KT_CREDIT] FOTO: K.-H. engel
Noch muss Jörg Busse aufs Radeln verzichten. Im Sommer aber hofft das Ehrenmitglied des SV Turbine mit seiner Frau Marie-Luise wieder auf Tour gehen zu können. [KT_CREDIT] FOTO: K.-H. engel

VonKarl-Heinz Engel

Ohne Sport ist das nichts. Ohne Geselligkeit schon gar nicht. Jörg Busse weiß, wovon er spricht. Der Neubrandenburger hält dem SV Turbine seit fast einem halben Jahrhundert die Treue.

Neubrandenburg.Das Fahrrad ist seit Jahren Jörg Busses liebstes Freizeitsportgerät. Mit seinen Turbine-Sportfreunden hat er ganz Deutschland beradelt. Großartige Touren seien das gewesen, erinnert er sich. Nach seinem Eindruck die beste Mischung aus körperlicher Belastung, Stadt- und Landerkundung – und Geselligkeit. Doch ausgerechnet aufs Rad muss der 75-Jährige dieser Tage verzichten. Nach einer Herzklappenoperation soll er Anstrengungen und Gestucker meiden. Im Sommer aber, so denkt er, wird er sich mit seiner Frau Marie-Luise wieder an die ersten Ausfahrten wagen können. Radeln sei eben was Feines, meint er.
Dabei gehörte Jörg Busses Leidenschaft ursprünglich dem Wassersport. Kein Wunder bei einem, der in Dargun geboren ist. Der Kummerower See liegt in der Nähe. Jörg Busse berichtet über unvergessliche Paddelpartien auf Stichkanal, Peene und See. In den 1950er-Jahren war das. Eine Zeit, in der landwirtschaftliche Erzeugnisse hauptsächlich mit Lastkähnen zur Verarbeitung in die Städte geschippert wurden. „Man kann sich das heute kaum vorstellen“, sinnt Jörg Busse den alten Zeiten nach. Mit ihren Faltbooten haben er und seine Kameraden gegen die Frachter, die durchaus 800 Tonnen bunkerten, manche Wettfahrt bestritten.
In Neubrandenburg zu Hause sind Jörg Busse und seine Familie seit 1963. Als Ingenieur für Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik fand er bei der Energieversorgung, Trägerbetrieb der Betriebssportgemeinschaft Turbine, eine Anstellung. Dort erkannte man bald die sportlichen Ambitionen, vor allem aber das Organisationstalent des Darguners. „Schieb das mal wieder an“, gab ihm der Kaderleiter mit auf den Weg und meinte damit das erlahmende Interesse an der Sektion Wassersport. Jörg Busse brachte Schwung ins Geschäft. Später sorgte er mit dem ökonomischen Direktor Otto Schmidt, einem Sportfan, dafür, dass sich Turbine zu einer Breitensporthochburg in der Stadt mauserte. Was Jörg Busse anpackte, gelang, erinnern sich ehemalige Kollegen.
In den vergangenen zehn Jahren knüpfte er als Seniorensportwart die Fäden für die sektionsübergreifende Betätigung im Verein. Der eigentliche Sport spielte dabei nicht unbedingt die Hauptrolle. Zusammenhalt, Geselligkeit, seinem Gegenüber zu hören, ihm, wenn nötig, Hilfe anbieten, gehört ebenfalls zu seinem Selbstverständnis von Seniorensport. „Freundschaften gewinnt man in der Jugend, im Alter muss man sie vor allem pflegen“, sagt Jörg Busse. Nach der Herz-OP will er nun aber kürzer treten. Den Posten als Seniorensportwart gab er deshalb an seinen Mitstreiter Karl-Heinz Olthoff weiter.

Mit Ehrenmitgliedschaft beim SV Turbine geehrt
Der SV Turbine beschloss indes auf seiner Delegiertenversammlung, das jahrzehntelange Engagement Jörg Busses mit der Ehrenmitgliedschaft zu würdigen. Turbine-Geschäftsführer Steffen Beier überreichte ihm dieser Tage die Urkunde. „Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut“, sagt der Vereinsveteran. Sobald seine Genesung abgeschlossen ist, sich Fitness nach ersten Radtouren eingestellt hat, will sich Jörg Busse aber erneut der Vereinsarbeit widmen – neben seinem Engagement in der Fritz-Reuter-Gesellschaft, der Leitung des Freundeskreises „Ehemaliger Energieversorger“, und was sonst noch zu erledigen ist. Rasten ist nichts für den Neubrandenburger. Eher beiläufig gibt er zu verstehen, dass man sich auch als Mittsiebziger immer ein wenig unter Spannung halten müsse.

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