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Die Herausforderungen des Stillstehens

An der TAO-Schule in Waren feuert Übungsleiterin Birgit Stoffregen ihre jungen Aikidoka beim Kampf an.   FOTO: Sören Musyal
An der TAO-Schule in Waren feuert Übungsleiterin Birgit Stoffregen ihre jungen Aikidoka beim Kampf an. FOTO: Sören Musyal

VonSören Musyal

Im Thema der Woche geht es um besondere Sportarten in der Region an der Müritz. Dabei ist die heutige Disziplin Aikido streng genommen eigentlich gar kein Sport.
Waren.„Es ist eher eine Kampfkunst“, erklärt Birgit Stoffregen, Meisterschülerin und Übungsleiterin für Aikido an der TAO-Schule in Waren. Kein Sport also. Schließlich gehe es dort meist um Noten oder darum, besser zu sein als der andere. Bei ihr läge jedoch die individuelle Entwicklung im Fokus – körperlich als auch geistig. Dabei stünden Kraft, Kondition und Konzentration im Vordergrund. Bei jüngeren Aikidoka – wie die Kampfkünstler genannt werden – gar nicht so einfach, wie Stoffregen zu berichten weiß: „Wenn die Kinder aus der Schule kommen, hängen sie entweder durch oder sie sind total aufgedreht. Da muss aufrechtes Sitzen neu gelernt werden.“ Ohnehin gehe es bei Gruppen mit Kindern, die gerade erst zur Schule gekommen sind, um Grundlagen. Da wird Seil gesprungen, um die Koordination zu schulen oder einfach still gestanden. Auch das ist eine knifflige Aufgabe, denn die kleinen Energiebündel rund um Trainerin Stoffregen lassen sich gerne ablenken. Erst beim Matratzenkampf am Ende der Trainingseinheit sind wirklich alle wieder voll dabei.
Wirklich ernst wird es dann bei den Fortgeschrittenen, wenn die Aikido zu dem wird, was es eigentlich ist: eine Art der Selbstverteidigung. Der aus dem Japanischen kommende Name selbst gibt schon das Wesen des Sports vor: „Ai steht für Harmonie, Ki für Energie und Do für Weg“, erklärt die Kampfkünstlerin. Das heißt also, Aikidoka versuchen, die Energie eines Angriffs möglichst intelligent und mit harmonischen Bewegungen umzuleiten und den Gegner vorübergehend kampfunfähig zu machen.
Birgit Stoffregen selbst ist schon knapp 14 Jahre dabei und inzwischen Meisterschülerin. An der TAO-Schule trainiert sie gerade etwa 50 Kinder – „eine schöne Herausforderung“, wie sie sagt. Und weil auch die gerne mal zeigen, was sie gelernt haben, gebe es statt Wettkämpfen eben Shows. Und Prüfungen. Denn wer seinen weißen Gürtel ablegen will, muss Aufgaben erfüllen. „Die Prüfungen werden individuell angepasst, aber sie müssen schon was zeigen“, gibt Stoffregen zu verstehen, die jeden individuell vorbereitet. Und immerhin: Zwei ihrer jungen Schüler hätten es schon bis Orange geschafft. „Das ist schon sehr gut!“, ist sie stolz und gibt am Ende allen einen Rat mit auf den Weg: Man solle die eigenen Angewohnheiten hinterfragen, denn so fände man auch die schlechten. Deswegen heißt es auch „Schuhe aus vorm Dojo“ – Faulheit ist keine Ausrede.

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