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Eine Schützenfrau zeigt’s den Männern

Im Botanischen Garten Christiansberg haben unlängst die Mitglieder des Jagd-Sport-Schützen- clubs ihre Urkunden erhalten und die Landesmeister 2012 gefeiert. [KT_CREDIT] FOTO: ZVG
Im Botanischen Garten Christiansberg haben unlängst die Mitglieder des Jagd-Sport-Schützen- clubs ihre Urkunden erhalten und die Landesmeister 2012 gefeiert. [KT_CREDIT] FOTO: ZVG

VonLutz Storbeck

Der Jagd-Sport- Schützen- club ist vergleichsweise klein, dennoch hat er
einige Besonderheiten:
Sehr erfolgreiche Schützen, und dazu kommt, dass
unter dem Dach des Vereins Deutsche und Polen gemeinsam ihrem Hobby nachgehen. Und das klappt sehr gut.

Eggesin.Das fällt schon auf. Auf der Liste mit den Landesmeistern 2012, die zum Jagd-Sport-Schützenclub in Eggesin gehören, finden sich nicht nur deutsche, sondern auch polnische Namen. Was kein Wunder ist, denn zu den 24 Vereinsmitgliedern gehören zwölf polnische Sportfreunde. Allesamt eint die Leidenschaft für den Schießsport. Und zwar mit den unterschiedlichsten Waffen – Vorderlader, Pistolen, Ge-
wehre, Luftgewehre oder auch Scharfschützengewehre. Dass die Vereinsmitglieder damit sehr gut umzugehen wissen, hat sich bei der Auswertung des vergangenen Sportjahres gezeigt. Elf Landesmeistertitel gingen an den Verein. Vereinschefin Agnes Stroot zum Beispiel holte allein vier Titel und einmal Bronze, Vereinskamerad Pjotr Wojciechowski brachte es auf zwei Gold-, drei Silber- und sieben Bronzemedaillen, und auch die anderen Vereinsmitglieder haben kräftig abgeräumt.
Agnes Stroot schießt bereits seit 1988. „Ich bin auf dem Land groß geworden, mein Vater war Jäger“, erzählt sie. Zunächst hat sie mit der Pistole geschossen, aber Wirbelsäulenprobleme zwangen sie zum Wechsel. „Dann habe ich es mit dem Gewehr versucht und gemerkt, das liegt mir besser“, sagt sie.
Natürlich braucht es viel Übung, um beim Schießen erfolgreich zu sein. Dafür trainieren die Vereinsmitglieder regelmäßig, entweder in Pasewalk. „Oder in Entepöl oder Stettin“, sagt Agnes Stroot. Dass so ein Training auch im Nachbarland möglich ist, dafür sind die Vereinsmitglieder dankbar. Dabei klappt auch die Verständigung der Schützen aus beiden Ländern gut. „Pjotr arbeitet ja als Arzt in Torgelow – er wird zum Dolmetschen ,verdammt‘ – und ansonsten verständigen wir uns auf Deutsch oder Englisch oder mit Händen und Füßen“, sagt die Vereinsvorsitzende. Sie lernt inzwischen Polnisch, aber das ist gar nicht so einfach, wie sie findet. Ein paar Floskeln für den Alltagsgebrauch kennt sie aber mittlerweile, und die Polen erkennen ihr Bemühen durchaus an. Zwischen den Schießsportlern hat sich im Laufe der Zeit ein „absolut herzliches Verhältnis entwickelt, es sind Freundschaften entstanden“, sagt Agnes Stroot. Anfängliche Vorurteile, dass es „mit den Polen nicht so laufen“ würde, seien mittlerweile schnell ausgeräumt worden.
Und so war es auch kein Wunder, dass man kürzlich auch gemeinsam im Botanischen Garten Christiansberg gefeiert hat. Da nämlich waren, wenn auch verspätet, vom Landesverband des „Bundes Deutscher Sportschützen“, die Urkunden für die Erfolge aus dem Vorjahr angekommen.

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