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„Er hat ihn geköpft“: Entsetzen über Jansen-Ausraster

Schrecksekunde am 32. Spieltag der Handball-Bundesliga im Spiel des HSV Hamburg gegen die Füchse Berlin: Der verletzte Berliner Ivan Nincevic wird abtransportiert. [KT_CREDIT] FOTO: Axel Heimken
Schrecksekunde am 32. Spieltag der Handball-Bundesliga im Spiel des HSV Hamburg gegen die Füchse Berlin: Der verletzte Berliner Ivan Nincevic wird abtransportiert. [KT_CREDIT] FOTO: Axel Heimken

VonChristoph Stukenbrock

Ein Kopfstoß von Weltmeister Torsten Jansen gegen Ivan Nincevic überschattet das Handball- Spitzenspiel des HSV gegen die Füchse Berlin.

Hamburg.37 Sekunden sind noch zu spielen, als bei Torsten Jansen sämtliche Sicherungen durchbrennen. Mit einem brutalen Kopfstoß streckt der frühere Handball-Weltmeister seinen Gegenspieler Ivan Nincevic nieder. Der Berliner Linksaußen bleibt bewusstlos auf dem Hallenboden liegen, wird minutenlang behandelt. Als er wenig später blutüberströmt abtransportiert wird, ist es in der Halle mucksmäuschenstill. Spieler und Verantwortliche reagieren geschockt. Jansen muss mit einer langen Sperre rechnen.
„Jansen hat ihn geköpft und ist dann wie ein kleines Kind weggelaufen“, sagte Dagur Sigurdsson über die Szene, die noch lange nach dem Schlusspfiff die Gemüter erregte. Der Füchse-Trainer war fassungslos angesichts dessen, was er wie die über
9000 Zuschauer in der Hamburger Arena hatte mit ansehen müssen. Die 25:28-Niederlage seines Teams beim Tabellen-Nachbarn interessierte den Isländer nicht im Geringsten. Nincevic lag zu diesem Zeitpunkt längst im Krankenhaus.
Wie sich gestern herausstellte, hatte der 31 Jahre alte Kroate bei dem heftigen Foul schwere Prellungen an Jochbein und Hinterkopf sowie eine schwere Gehirnerschütterung erlitten. Ein Cut unter dem rechten Auge wurde sofort genäht. Die Saison ist für den Flügelspieler beendet. „Ein paar Zentimeter höher, und ich hätte blind sein können“, sagte Nincevic. „Was Torsten gemacht hat, hat im Sport nichts zu suchen. Ich bin total enttäuscht.“ Von einem wie Jansen habe er das nicht erwartet, „vor allem, weil das Spiel schon gelaufen war“.
Jansen, der sich nach dem Spiel noch in der Kabine verschanzt hatte, kann sich seinen Aussetzer nicht erklären. „Ich bedaure das sehr. So etwas habe ich im Leben noch nicht gemacht“, sagte der spürbar mitgenommene Linksaußen. „Da ist bei mir eine Sicherung durchgebrannt. Ich hoffe, dass es Ivan schnell besser geht.“ Nachdem er sich bereits auf dem Parkett bei Nincevic entschuldigt hatte, telefonierte er gestern Morgen mit ihm. „Wir verurteilen das Foul aufs Schärfste ohne Wenn und Aber. Nach dem Videostudium gibt es keine zweite Meinung“, sagte Jansens langjähriger Trainer, der heutige Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, gestern. „Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Torsten 36 Jahre lang ein einwandfreier Sportler war und viel für den deutschen Handball getan hat.“
Für Jansen wird das rüde Foul abseits des direkten Spielgeschehens auf jeden Fall sportgerichtliche Folgen haben. Weil es neben der Roten Karte auch einen gesonderten Eintrag in den Spielbericht gab, dürfte er zumindest für den Rest der Bundesliga-Saison gesperrt werden. Auf die Champions League, in der der HSV im Halbfinale steht, hat das bevorstehende Spielverbot allerdings keine Auswirkungen.
Dass der HSV durch den hart erkämpften Erfolg auch in der Liga weiter auf seine siebte Champions-League-Teilnahme in Folge hoffen darf, ging im Wirbel um Nincevic beinahe unter.

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