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„Für mich ist der dritte Platz die erste Stufe nach oben“

VonKirsten Gehrke

Wird 2020 ein Demminer im olympischen Boxring in Istanbul stehen? Der 13-jährige Arian Cekicaj hat den großen Traum. Er und sein Bruder Valon sind zur Zeit die größten Box-Talente im Land.

Demmin.Boxtrainer Joachim Zarmstorf hat mit dem Titel fest gerechnet. „Arian ist als Favorit zu den Deutschen Meisterschaften hingefahren“, sagt er. Gold war drin. „Für mich war hundertprozent klar, er wird Deutscher Meister.“ Doch die Nerven flatterten. Vor der großen Zuschauerkulisse in Berlin hat sein 13-jähriger Schützling Fehler gemacht, die ihm sonst nicht passieren. „Er ist eben noch ein Kind“, meint Zarmstorf, lächelt und klopft Arian auf die Schulter. „Ich war sehr aufgeregt“, verteidigt der sich.
Auf seine Bronzemedaille kann er aber stolz sein. Im Halbfinale hat er gegen einen Hessen verloren. „Nach der zweiten Runde hat er noch geführt“, sagt Zarmstorf. Doch dann passte er nicht auf, kassierte zwei Treffer. „Einen konnte er noch aufholen.“ So fiel das Ergebnis nach Punkten äußerst knapp aus. Im ersten Moment war der Boxtrainer ein wenig enttäuscht, gibt er zu. Aber er weiß um das Talent. Arian Cekicaj und sein Bruder Valon (14) sind die größten Boxtalente seit Jahren, nicht nur in Demmin, sondern in ganz Mecklenburg-Vorpommern.
Um die beiden Jungen einer Asylbewerberfamilie aus dem Kosovo weiter fördern zu können, habe der Boxverband die Einbürgerung beantragt. „Sie sollen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten“, erklärt Zarmstorf. Nur dann können sie ab September auf die Sportschule nach Schwerin. „Es sind die Hoffnungsträger für Mecklenburg-Vorpommern.“ Beide seien sehr schnell. Ihre große Stärke sei ihre Beweglichkeit. Beim neuen Cheftrainer in Schwerin, Michael Timm - 1985 Europameister im Halbmittelgewicht - gebe er seine Schützlinge in gute Hände, meint Zarmstorf. Großes Ziel der beiden sind die Olympischen Spiele. Zarmstorf ist sich sicher, dass einer der Brüder 2020 in Istanbul im Ring stehen wird.
Seit drei Jahren trainieren die Jungs bei VIP Boxing Demmin. „Ich wollte eigentlich nur meinen Freund Patrick abholen“, erinnert sich Arian. „Dann hat Herr Zarmstorf gefragt, ob wir nicht auch mal boxen wollen.“ Der schmächtige Junge probierte es aus. „Es hat mir gut gefallen“, meint er. Jeden Tag, von Montag bis Freitag, geht er jetzt für eine Stunde zum Training in die Friesenhalle. Er ist ehrgeizig. Von den 20 Kämpfen, die er bisher bestritten hat, hat er nur zwei verloren. Selbst beim internationalen Turnier in Stralsund stand er ganz oben auf dem Treppchen. Für die deutsche Meisterschaft der U 15 (Kadetten) hat er sich souverän qualifiziert und stand im Finale der besten Acht. „Der Sport ist seine Chance.“
Kurt Riesebeck von der gleichnamigen Baumaschinenfirma in Demmin hat den Start bei den Deutschen Titelkämpfen für Arian erst möglich gemacht. „Der Fachmann hat mich überzeugt, warum der Junge unbedingt dorthin fahren sollte“, sagt er und beglückwünscht Arian zu Bronze. „Für mich ist der dritte Platz die erste Stufe nach ganz oben, bleib dran.“ Obwohl seine Baubranche schwer aus dem Frühjahr gekommen sei, sei es ihm ein Anliegen gewesen, ein großes Talent zu fördern. Er schaue gern Boxen, erinnere sich noch gut an die Hoch-Zeiten des Sports in Demmin, als die Friesenhalle aus allen Nähten zu platzen drohte. Beim Nachwuchs gehe es nicht nur um Taktik und Geld, da stehe noch der Sport ganz oben. Das finde er gut und habe deshalb gern Arian unterstützt. Der 13-Jährige war darüber sehr froh. „Meine Eltern sind ganz stolz.“

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