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Gemeinsame Ziele koordiniert angehen

Reaktionsschnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination, sicheres Fangen und Teamgeist werden bei den Mini-Wettbewerben der Sportspiele verlangt, will man punkten oder siegen.  FOTOs (3): A. Gehrmann
Reaktionsschnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination, sicheres Fangen und Teamgeist werden bei den Mini-Wettbewerben der Sportspiele verlangt, will man punkten oder siegen. FOTOs (3): A. Gehrmann

VonArmin Gehrmann

Die Entwicklungsförderung der Schüler im sportlichen Bereich steht in Prenzlau im Mittelpunkt der dritten Schulsportkonferenz der Uckermark.

Prenzlau.Vertreter des Kreissportbundes Uckermark, seiner Vereine, der Schulen und Verwaltungen nahmen an dieser Konferenz teil. Über allem stand, die Qualität von Schul- und Vereinssport voran zu bringen, bessere Voraussetzungen dafür zu schaffen und die Gewinnung der Jugend für ein langfristiges Engagement im Sport.
Schon 2005 und 2009 gab es solche Konferenzen in der Uckermark. Doch über die Phase der Willensbekundungen kam man nicht hinweg. Nun konnte Ministerpräsident Matthias Platzeck als Schirmherr für die dritte Konferenz dieser Art gewonnen werden. Und im Vorbereitungsstab waren neben dem KSB-Chef Joachim Kolloff, dem Vertreter des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport auch der Angermünder Schulleiter Frank Bretsch sowie Vizelandrätin Karina Dörk vertreten. Sie konnten mit Prof. Dr. Albrecht Hummel (TU Chemnitz), Prof. Christa Helmke (Arbeitsgruppe Schulsportentwicklung), Prof. Ditmar Wick (FHS Potsdam) und Dr. Thomas Mühlbauer (Uni Potsdam) auch hochrangige Experten als Referenten gewinnen.
Schon in den Grußworten des Ministerpräsidenten, von Karina Dörk, Hardy Schalitz – Leiter des Staatlichen Schulamtes –, LSB-Vizepräsident Günther Staffa sowie KSB-Chef Joachim Kolloff erwies sich als roter Faden, dass Sport in Schule und Verein nicht losgelöst voneinander betrachtet werden darf. Beide Seiten bedingen in ihrer Qualität einander, beide profitieren aber auch voneinander. Es gelte Wege zu finden, Schulen und Vereine auf der Sportebene besser miteinander zu vernetzen, so der Ministerpräsident. Die positive Entwicklung auf die Persönlichkeitsentwicklung sei unumstritten. Nur werden dabei nicht alle Möglichkeiten effektiv ausgeschöpft. Dem Bewegungsdrang der Jugend müsse auch mit allen Möglichkeiten entsprochen werden, betonte Hardy Schalitz, „wenn man das nicht ernst nimmt, wird sie krank.“
Die Experten legten in ihren Referaten eine Vielzahl interessanter Fakten vor. Neben dem Übergewicht gibt es bei Schulanfängern auch beunruhigende 15 % Untergewichtige. Die Anzahl von Kindern mit motorischen oder Stoffwechselstörungen bereitet Sorgen. Der Fakt, dass Sport auch auf das Konkurrenzverhalten im weiteren Leben vorbereitet, bleibt oft unbeachtet. Und weil die Schule heute kein Bildungsmonopol mehr hat, müssen zwingend alle Verantwortungsträger an einem Strang – und das abgestimmt miteinander – ziehen. Die Vielfalt der Bildungs- und Erziehungsziele im Sport bedarf aber auch einer spezielleren Ausbildung von Lehrern und Trainern. Fortbildungen werden zu wenig angeboten.
Begrüßt wurde die beabsichtigte Einbindung der Uckermark in ein Projekt von LSB und Ministerium, das vor allem für die Ganztagsangebote in Schulen eine spezifischere Ausbildung für Übungsleiter im allgemeinen Bereich beinhaltet. Das vorrangig, weil die Uckermark eine Region der höchsten sozialen Belastung im Land (Kriterien: Bildungsstatus, Einkommenshöhe, Migrationsanteil, ALG II-Empfänger) ist.
645 Kooperationsmaßnahmen Schule-Verein gibt es in Brandenburg, 55 allein in der Uckermark. 2741 Sportlehrkräfte mit Fakultas Sport gibt es, aber auch 885 ohne eine solche Ausbildung. Absolut verheerend sei es, dass von denen ohne eine solche Ausbildung 50 % in den Klassenstufen 1 und 2 eingesetzt sind. Und ab Klasse 3, so mehrfach die Forderung, ist der Einsatz von Fachlehrern zwingend notwendig.
In der etwas kurz geratenen Diskussion verwiesen die Pädagogen darauf, dass es mehr als schädlich sei, die Mittel für Jugend trainiert für Olympia drastisch einzukürzen, dass es notwendig sei, Termine besser miteinander abzustimmen, dass dem Aufzeigen von Fördernotwendigkeiten wegen fehlender Anzahl zugewiesener Unterrichtsstunden gar nicht entsprochen werden kann.
Dieser Konferenz sollen nun zeitnah auf Altersbereiche bezogene Fachtagungen folgen, bejahte Karina Dörk. „Nun muss Klartext geredet und das auch umgesetzt werden“, so Joachim Kolloff. „Wie wird der Sport der Jugend im ländlichen Raum gefördert? Wie beachtet man die Sorgen der Sportlehrer? Wie konkret werden Schule und Sport im Primarbereich nach solchen Erkenntnissen unterstützt? Das muss in unserem Landkreis zu Lösungen geführt werden.“

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