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Gentleman-Garde misst sich mit weiblicher Cleverness

Jubiläumsfoto mit Gastgebern und Gästen. [KT_CREDIT] FOTO: Kati Rockenschuh-Ofcsarik
Jubiläumsfoto mit Gastgebern und Gästen. [KT_CREDIT] FOTO: Kati Rockenschuh-Ofcsarik

VonKati Rockenschuh-Ofcsarik

Zum 150. Vereinsjubiläum des Stavenhagener SV haben sich die Reuterstädter prominente Gäste eingeladen – die Bundesliga-Handballerinnen des Frankfurter HC.

Stavenhagen.Bereits eine Stunde vor Anpfiff sicherten sich die ersten Handball-Enthusiasten die besten Plätze auf der neuen Tribüne in der Stavenhagener Zweifelderhalle. Spannung lag in der Luft, immerhin betrat mit der Frauenmannschaft des Frankfurter HC ein Bundesliga-Team das Reuterstädter Parkett. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag des Stavenhagener SV hatte man sich auf ein Freundschaftsspiel der besonderen Art geeinigt.
Los ging es mit dem Frauen-Team des SSV. Keine zwanzig Sekunden nach Beginn versenkten die Gäste den Ball. Die Reuterstädterinnen waren jedoch keineswegs gewillt, sich in der ausverkauften Halle vorführen zu lassen. Mit aller Kraft widersetzten sie sich und hielten phasenweise gut dagegen. Antje Herzberg im Tor erwies sich trotz anfänglicher Verletzung als sicherer Rückhalt. Das Publikum stärkte den SSV-Frauen zusätzlich den Rücken und peitschte sie immer wieder nach vorn. Selbstverständlich ließ sich der Klassenunterschied nicht verheimlichen. Stavenhagens Frauen nahmen es mit Humor: „Da stehe ich wie gewohnt bei sieben Meter, die Frankfurterin noch einige Meter vor mir und plötzlich macht die eine Sprungbewegung. Aus der Entfernung! Das hat mir aber auch keiner gesagt, dass die aus gefühlten 13 Metern zum Sprungwurf ansetzen. Ich konnte gerade noch die Arme hochreißen“, so schmunzelnd eine SSV-Spielerin nach der Partie. 6:19 stand es zur Pause-
In der zweiten Hälfte der Partie trafen Kraft und körperliche Überlegenheit auf weibliche Cleverness und Gewandtheit. Die Frankfurterinnen zeigten keinerlei Berührungsängste und kämpften um jeden Ball. Stavenhagens Männer hingegen taten sich schwer. „Mit so einer kleinen Murmel kann ich nicht spielen“, sicherlich stellte der kleinere Frauenball eine Herausforderung für so manche Männerpranke dar – aber irgendwie fiel es ihnen schwer, sich gleich doppelt konzentrieren zu müssen, auf Handball und auf die attraktiven Frauen vom FHC. Marvin Lüthke resümierte: „Gegen Frauen zu spielen ist merkwürdig. Handball ist nun mal ein sehr körperbetonter Sport und gegen Frauen ist das schwierig. Man will ihnen ja auch nicht weh tun.“ Somit erwies sich die männliche Vertretung lieber als Gentleman-Garde.
Zum Publikumsliebling avancierte Emi Uchibayashi, die dank ihrer Körpergröße ein um das andere Mal wieselflink zwischen den Männern abtauchte, um hinter ihnen erneut aufzutauchen und das runde Leder im SSV-Kasten zu versenken. Immer wieder heimsten die Gäste Szenenapplaus ein, das Publikum zollte ihrer Leistung Respekt. Zudem gehören mit Anne Jochin (ehemals Fortuna Neubrandenburg) und Anne Weier (ehemals HSV Peenetal Loitz) gleich zwei Spielerinnen aus der Umgebung zum Bundesliga-Team des FHC.
Auch wenn sich Stavenhagen mit einer 23:38-Niederlage geschlagen geben musste und den Männern der Schweiß auf der Stirn stand, am Ende überwog die Freude über eine Handball-Partie der ganz besonderen Art und Weise. Dietmar Schmidt, Frankfurts Coach, zeigte sich ob der Handballbegeisterung in Stavenhagen tief beeindruckt und lobte neben der perfekten Organisation vor allem die mehr als faire Spielweise von Stavenhagen.

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