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Herzrasen im Erzgebirge

Der blanke Wahnsinn in Aue: Die Bank der Erzgebirgler feiert den Ausgleich. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas Eisenhuth
Der blanke Wahnsinn in Aue: Die Bank der Erzgebirgler feiert den Ausgleich. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas Eisenhuth

VonHolger Schmidt

Aue zeigt Kämpferquali-
täten und holt trotz doppel-
ter Unterzahl gegen Kaisers-
lautern einen 0:1-Rückstand auf. Doch der Preis für den Punktgewinn ist hoch.

Aue.Als neun Auer dem Aufstiegskandidaten 1. FC Kaiserslautern einen Punkt klauten und Erinnerungen an das „Dortmunder Wunder“ in der Champions League weckten, wackelte das 85 Jahre alte Erzgebirgsstadion in seinen Grundfesten. Von diesem 1:1 werden sie im Erzgebirge noch in vielen Jahren sprechen, da ist sich Vereins-Ikone Holger Erler sicher. „Dieses Erlebnis war für Aue wie für Dortmund das Spiel gegen Malaga“, sagte der 63-Jährige: „Im ganzen Stadion ging die Post ab, um mich herum hatten viele Leute Tränen in den Augen. Und ich bin richtig stolz auf meinen Verein.“ Erler spielte einst 20 Jahre für Wismut Aue, ist mit 399 Oberliga-Einsätzen Rekordspieler und gehörte in den vergangenen 20 Jahren dem Trainerstab von Erzgebirge an, „aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Das war der absolute Wahnsinn“. Torhüter Martin Männel schrieb noch im Stadion via Facebook völlig berauscht: „Was für ein Spiel! Herzrasen!“ In den letzten sieben Minuten und der Nachspielzeit, in denen neun Auer nach dem Ausgleich von Kevin Schlitte den gefühlten Sieg der Moral und des Charakters verteidigten, hielt es fast keinen der 8300 Zuschauer mehr auf seinen Sitzen. „Ich hatte schon noch Angst“, gestand Erler: „Aber diese Truppe hat eine unglaubliche Moral.“
Doch der Preis für den Punkt war hoch. „Ich werde einen Antrag stellen, dass ich eine Sondergenehmigung bekomme“, sagte Trainer Karsten Baumann (43), als die Ernüchterung eingetreten war. Die Comeback-Pläne des in 261 Bundesliga-Einsätzen als harter Abwehrspieler erprobten Baumann waren zwar ein Scherz. Sie haben aber einen ernsten Hintergrund: „Mir gehen die Verteidiger aus.“
Im nächsten Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig fallen in Thomas Paulus (5. Gelbe Karte), René Klingbeil (Rot/66.) und Kevin Pezzoni (Gelb-Rot/76.) gleich drei potenzielle Auer Innenverteidiger aus.

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