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Keine halben Sachen mehr: Jetzt lockt der Marathon

VonFlorian Ferber

Beim Tollenseseelauf in Neubrandenburg erlebt Martin Urban eine Premiere: Erstmals nimmt der Läufer aus Groß Wokern den langen Kanten unter die Turnschuhe.

Groß Wokern.Martin Urban läuft aufs Ganze. Keine halben Sachen mehr. Dreimal hat er beim Tollenseseelauf in den vergangenen Jahren bislang die Halbmarathondistanz bewältigt, bei der
23. Auflage am kommenden Sonnabend nimmt der 48-Jährige nun erstmals die vollen 42,195 Kilometer in Angriff. „Mein Ziel ist es, konstant die ganze Strecke durchzulaufen, auch wenn es mal bergauf geht“, gibt sich der Mann aus Groß Wokern bei Teterow kämpferisch.
Dabei hat Urban vor kurzem auf dem Darß nach überschaubarer Vorbereitung überhaupt erst seinen ersten Marathon in der Region gestemmt und dabei Blut geleckt. „Es war eine schöne Erfahrung, wie weit man seinen eigenen Körper treiben kann, vielleicht wie eine Art Droge.“ Und weiter: „Bei Kilometer 30 drohte der Knock-out. Die Muskeln waren so schlapp und du fragst dich, was machst du hier. Doch dann, wenn du die letzten zwölf Kilometer geschafft hast, bis du voller Glückshormone und unglaublich stolz. Da stehen die Borsten ganz hoch.“ Allein mit seiner Zeit, die im Bereich von 4:40 bis 4:50 Stunden lag, war der Hobby-Läufer nicht zufrieden. Irgendwann einmal bei vier Stunden oder knapp drunter anzukommen, sei für ihn das große Ziel, so Urban.
Ob das schon beim langen Kanten um den Tollensesee gelingt, ist fraglich. Immerhin betritt der Groß Wokerner auf der ersten Hälfte bis Hohenzieritz, die es mit Steigungen in sich hat und die er bisher bequem im Shuttlebus umfahren konnte, Neuland.
„Von dort kenne ich die Strecke bis Neubrandenburg, auch das Stück ab Alt Rehse am Wasser entlang fetzt. Nun will ich auch die andere Seite kennen lernen. Ich lasse mich überraschen“, sagt der 48-Jährige, dessen Sport-Vita bis in DDR-Zeiten zurückreicht, wo er die 20 Kilometer beim Güstrower Inselseelauf zu Hochzeiten in 1:25 Stunden schaffte. Seine aktuelle Halbmarathon-Bestmarke liegt bei 1:41 Stunden (Darß). Seit ungefähr zehn Jahren ist Martin Urban mit seinem jüngeren Bruder Thomas (38) bei einer Laufgruppe in Groß Wokern aktiv und kickt obendrein bei den Alten Herren der Eintracht mit.
Zu den alten Eisen beim Tollenseseelauf rechnet sich Martin Urban nicht. „Es soll Spaß machen, ich will es genießen und alles körperlich wahrnehmen. Kein Rennen bis zum Umfallen. Wenn ich in Hohenzieritz bei zwei Stunden bin, liege ich gut in der Zeit.“ Wohl wissend, dass dann erst die Hälfte geschafft ist. Aufs Finale indes freut sich der Marathoni schon jetzt. „Wenn du in den Kulturpark einläufst, ist die Atmosphäre großartig. Rechts und links feuern dich fremde Menschen an und applaudieren und du kommst dir vor wie in einer großen Familie.“ Bei so viel Euphorie dürfte dann auch die lästige kleine Zyste an der Achillessehne vergessen sein.

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