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König: Bei Greif keine heile Welt

Während Fußball- Regionalligist Torgelower SV Greif morgen gegen den FC Energie Cottbus II auf den zweiten Saisonsieg hofft (Anstoß 13.30 Uhr Gießerei-Arena), wird Danny König bei seiner Familie in Aschersleben sein. Der 38-Jährige hatte in der Winterpause den Posten des Cheftrainers des TSV Greif übernommen und wurde nach knapp vier Monaten bereits wieder entlassen. Thomas Krause sprach mit Danny König über seine Zeit in Torgelow.

Kurz nach Ihrer Beurlaubung hatten Sie sich sehr enttäuscht gezeigt. Ist die Enttäuschung mittlerweile der Wut gewichen, dass der Vorstand Sie nach nur fünf Spielen als Cheftrainer gefeuert hat?
Da gibt es überhaupt keine Wut. Ich sehe das locker. Wichtig ist, dass man am Ende des Tages in den Spiegel schauen kann. Von der Arbeit her habe ich mir nichts vorzuwerfen.

Am Ende fehlten den Verantwortlichen aber die Ergebnisse: Fünf Spiele, fünf Niederlagen.
Richtig, dem kann ich mich nicht verschließen. Das ist so im Fußball. Bei den Spielen fehlten einige Momente. In Neustrelitz hatten wir schon fast gewonnen, Magdeburg am Rande einer Niederlage. Nur die Niederlage bei Union II muss ich auf meine Kappe nehmen.

Zum Verhängnis soll Ihnen letztlich die Pressekonferenz nach dem Magdeburg-Spiel geworden sein, bei der Sie offen Kritik am Gesamtbild des Torgelower SV Greif übten.
Ich habe das auch gehört. Ein Trainer sollte sich das Recht herausnehmen können, Kritik auszusprechen. Ich habe niemanden beleidigt, sondern nur klar machen wollen, dass in Torgelow längst nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen – keine heile Welt ist.
Wie bewerten Sie Ihre gut viermonatige Arbeit als Cheftrainer bei Greif?
Ich denke, dass wir insgesamt gute Arbeit geleistet haben. Die Mannschaft ist anders aufgetreten als in der Hinrunde, auch wenn die Erfolge fehlten. Was mich gefreut hat: Es gab viel positives Feedback von Trainerkollegen. Die haben schon registriert, dass sich Torgelow anders präsentiert hat.

Sie haben sich trotz der fünf Niederlagen immer schützend vor die Mannschaft gestellt. Aber fehlte dem Team nicht wirklich die Qualität für die Regionalliga.
Ich stelle mich auch jetzt noch schützend vor die Jungs. Spieler wie Mista, Pankau, Novacic, Keyser oder Zschiesche haben sich absolut professionell verhalten. Aber wenn du aus so vielen Chancen, wie wir sie in den Spielen der Rückrunde hatten, so wenig machst, dann ist das natürlich eine Frage der Qualität.

Im Winter sollte Ihnen sozusagen eine neue Mannschaft zur Verfügung gestellt werden, am Ende kamen vier Spieler. Fühlen Sie sich vom Vorstand im Stich gelassen?
Ich wusste ja, dass das nichts wird, das war schnell klar. Aber wir im Trainerteam haben uns nie darüber beschwert. Von den Neuen war nur Duspara ein richtig Guter, der Rest nur Quantität. Aber bei den Transfers wurden ja schon im Sommer Fehler gemacht. Im Grunde hat der Verein nur Verbandsligaspieler geholt. Damit kannst du in der Regionalliga nicht bestehen.

In der Rückrunde war schnell klar, dass Greif die Liga nicht halten kann. Haben Sie bereut, das Traineramt bei Greif übernommen zu haben?
Nein, überhaupt nicht. Die Regionalliga war für alle, für mich, den Verein und die Stadt, eine tolle Sache. Die Region ist im ganzen Nordosten bekannt geworden. Aber ich habe auch daraus gelernt, dass so eine Liga nur mit einem kompetenten Manager oder Sportdirektor im Hintergrund zu stemmen ist. Wie es funktioniert, zeigt doch zum Beispiel die TSG Neustrelitz.

Sie sprechen indirekt Steffen Baumann an, der im Juli als neuer Manager eingestellt, aber wegen unterschiedlicher Auffassungen schnell entlassen wurde. Für die Transfers beim TSV Greif ist Baumann, der mittlerweile Geschäftsstellenleiter im Verein ist, aber nach wie vor verantwortlich. Wie beurteilen Sie die Situation?
Die Situation ist einfach unglücklich.Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Steffen Baumann soll, obwohl nicht im Vorstand, bei der Vorstandssitzung dabei gewesen sein, bei der Ihre Entlassung beschlossen wurde.
Dazu kann ich nichts sagen.

Werden Sie den Weg des Torgelower SV Greif weiter verfolgen?
Klar. Ich wünsche vor allem Franz-Aaron Ullrich, dass er mit Greif noch ein paar Spiele gewinnt. Er hat sich als absoluter Top-Mann erwiesen. Vielleicht klappt es ja schon gegen Cottbus. Die Mannschaft muss sich endlich mal belohnen.

Gibt es schon Angebote?
So schnell geht das auch nicht. Es gab ein paar lockere Gespräche. Vielleicht gehe ich mal ins Ausland, das würde mich reizen.

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