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Messi nur ein Schatten – geht die Barça-Ära zu Ende?

Kaum Sprints und Dribblings, kein Schuss aufs Tor: Lionel Messi stampfte zeitweise wie ein Spaziergänger über den Platz. Der Weltfußballer, der die Abwehrreihen der Gegner in Angst und Schrecken versetzt hatte, war beim 0:4-Debakel des FC Barcelona bei Bayern München nur ein Schatten seiner selbst. „Was passiert ist, ist eine Schande“, räumte der Argentinier nach dem Halbfinal-Hinspiel der Fußball-Champions League ein. „Die Bayern waren viel stärker als wir und uns körperlich überlegen.“

Messi war nur wenige Stunden vor dem Anpfiff von den Ärzten für fit erklärt worden. „Er lief mit der Startelf auf, aber er spielte nicht mit“, beobachtete die Zeitung „El País“. Messi legte während des Spiels drei Kilometer weniger zurück als die Bayern-Cracks Arjen Robben und Franck Ribéry. Weshalb Tito Vilanova den Stürmer 90 Minuten durchspielen ließ, obwohl der Argentinier sich nach seiner Muskelverletzung über den Platz schleppte, weiß wohl nur der Barça-Trainer. Neben Messi wirkte das gesamte Barça-Team ausgelaugt und ideenlos.

„Ein 0:4 wettzumachen, wird sehr schwer“

Die Schlappe in München weckte bei den Katalanen bittere Erinnerungen an die 0:4-Blamage im Europacup-Finale 1994 gegen den AC Mailand. Die Schlappe von Athen bedeutete damals das Ende des „Dream-Teams“ von Trainer Johan Cruyff. Das 0:4 von München scheint nun ebenfalls, so vermuten spanische Kommentatoren, das Ende einer Ära zu markieren. „Das Barça-Team hat sich verbraucht und ist völlig auseinandergefallen“, meint „El País“. „Die vor Kraft strotzenden Bayern befinden sich auf dem entgegengesetzten Weg nach oben.“

Der FC Barcelona hatte in den vergangenen Jahren in Europas Fußballwelt als das Maß aller Dinge gegolten und 2006, 2009 und 2011 die Champions League gewonnen. „Dieses große Barça gehört nun der Erinnerung an“, beklagte die Zeitung „El Periódico“. „Nun steht ein Neuaufbau an. Die Verantwortlichen des Vereins müssen einsehen, dass ihr Team in Europa nicht mehr die Vorherrschaft führt.“ Alfredo Relaño, Chefredakteur des Sportblatts „As“, sieht das ähnlich: „Die Packung bedeutet das Ende einer Ära. Barça verlor nicht nur 0:4, sondern auch das Vertrauen in seine unumstrittene Stärke.“

Messis ratlose Blicke strahlten wenig Hoffnung auf ein Wunder im Rückspiel aus. „Die Bayern sind sehr stark, aber wir werden es versuchen“, versuchte der Argentinier sich in Durchhalteparolen. „Ein 0:4 wettzumachen, wird sehr schwer.“ Barcelonas Kapitän Xavi ließ gar Resignation durchklingen: „Wir werden versuchen, ein Wunder zu vollbringen, aber das wird praktisch unmöglich sein.“

Der frühere Barça-Profi Gary Lineker witzelte bei Twitter unter Anspielung auf den künftigen Bayern-Trainer: „Nur eine der beiden Mannschaften benötigt einen Guardiola, und das ist nicht Bayern München.“

Das 0:4 war eine der höchsten Europacup-Niederlagen der Katalanen. Einen solchen Rückstand holte bislang noch nie ein Club in einem Halbfinale der Champions League auf.

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