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VonDetlef Granzow

Der Pokalsieg krönt eine sensationelle Saison der TSG-Kicker. Nach dem „Pott“ und der super Präsentation im Finale kann der Verein die nächste Saison beruhigt planen. Hansa Rostock muss derweil kleine Brötchen backen.

Neustrelitz.Pokalfinale verrückt! Was war denn da los: Neustrelitz im siebten Fußballhimmel, Hansa am Boden! Eine Teil-Analyse des Geschehens auf dem grünen Rasen beim Pokalendspiel blieb der scheidende Hansa-Trainer Marc Fascher – der sich ansonsten nicht den Mund verbrennen wollte – dann doch nicht schuldig: „Es hat eine Mannschaft mit hundert Prozent Einstellung gegen eine mit Null-Einstellung gewonnen.“ Seine Einschätzung stimmte zwar, war aber nur die halbe Wahrheit: Denn, so bitter es für den Drittligisten klingen mag – die TSG-Fußballer hatten die favorisierten Hanseaten über 90 Minuten an die Wand gespielt. Der 3:0-Erfolg war für die Neustrelitzer der verdiente Lohn, für Hansa ein Desaster. Dass ein Teil des Hansa-Anhangs wieder einmal durchdrehte, passte zu diesem desolaten Auftritt.
Statistiker fanden dann gar Historisches in der Niederlage: Es sei seit 35 Jahren die erste Pflichtspiel-Niederlage der Rostocker gegen ein Team aus Meck-Pomm. Eine Etage tiefer hängte Gramoz Kurtaj, der mit dem ersten Tor frühzeitig die Weichen gestellt hatte, die Sache: „Klar hat uns das frühe Tor geholfen, aber dass wir Hansa 3:0 besiegen, damit hatten wir nicht gerechnet. Kompliment, die ganze Mannschaft hat toll gekämpft.“
TSG-Trainer Rastislav Hodul wollte den Erfolg nicht als reine Überraschung abtun: „Das war kein Zufall. Die Jungs haben den Fahrplan genau umgesetzt und super gearbeitet.“
Und dann klappte einfach alles – wie beim 2:0, als Kevin Kahlert mal aus 20 Metern auf den Hansa-Kasten hielt. „Der Trainer hatte angesichts des Regens in der Halbzeit gesagt, wir sollten es mit Fernschüssen versuchen. Hat geklappt. Jetzt wird gefeiert“, meinte der TSG-Abräumer, der gemeinsam mit Kai Hempel als Doppelsechs die Hanseaten frühzeitig störte.
Einer im TSG-Blau hatte zu Anfang eher einen „dicken Hals“: Salvatore Rogoli saß zuerst auf der Bank. „Klar, ich habe in der Saison die meisten Spiele gemacht, da will man in so einem Finale natürlich auch rein.“ Er kam in der 68. Minute – genau zehn Minuten später stellte er den 3:0-Endstand her. Krönung einer perfekten Pokal-Show der Neustrelitzer, die an diesem Abend klar die Nummer eins im Land waren.
In der Stunde des Triumphes hatte Präsident Hauke Runge Trost für Hansa: „Die machen gegenwärtig eine schwere Phase durch. Wir sind einfach nur glücklich. Das Erreichen der ersten Pokalrunde erleichtert auch unsere Planungen für die nächste Saison.“
Und da soll der Aufwärtstrend weiter gehen: Gut zehn Spieler besitzen bereits einen Vertrag für die kommenden Saison, die anderen Pokalhelden haben Angebote. Kevin Kahlert meinte dazu: „Ich habe bis zum Finale Gedanken an Vertrag und Zukunft zurückgestellt. Jetzt ist Zeit zu reden.“
Hauke Runge hofft jedenfalls, einen Großteil der Mannschaft halten zu können und das Team gezielt zu verstärken. Schließlich warten jetzt im DFB-Lostopf die großen Kaliber. Salvatore Rogoli wusste jedenfalls, wer demnächst im Parkstadion auflaufen sollte: „Ganz klar, Europas Nummer eins – Bayern.“
Auf die treffen die Rostocker demnächst auch: in einem Benefizspiel. Dann wird die Mannschaft anders aussehen. Von den 14 eingesetzten Hanseaten dürfte der Großteil nach der Sommerpause weg sein. Heute wollen die Rostocker den neuen Trainer – wohl Andreas Bergmann – vorstellen. Er tritt ein schweres Erbe an. Hansa liegt sportlich am Boden. Und finanziell dürfte das Fehlen der DFB-Pokalgelder auch gehörig ins Kontor schlagen. Was am Pokalabend aber weit schwerer wog: Hansa hat mit einem blutleeren Auftritt viel Kredit in der Öffentlichkeit verspielt. Umgekehrt dürfte die TSG viel an Ansehen gewonnen haben: „Vielleicht können sich einige Hansa-Fans ja vorstellen, demnächst auch mal zu Spielen der TSG zu kommen. Es lohnt sich“, freute sich ein zufriedener TSG-Präsident, der in eine lange Partynacht abtauchte.
Hansa: Brinkies – Mendy, Grupe, Holst, Zolinski – Humbert (54. Jordanov), Klement (63. Zimmermann) – Weilandt, Blum – Starke (54. Plat), Smetana. TSG: Bittner – Franke (75. Weidlich), Schönwälder, Morack, Pütt – Hempel, Kahlert – Schindler, Kurtaj (87. Torunarigha) , Fuchs, Jovanovic (68. Rogoli). SR: J. Dräger (Gützkow). Zuschauer: 4500

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