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Rollen hier die neuen Überflieger? Motoball-Jugend testet auf Flugplatz

Die knatternde Phalanx vorm „Abheben“: Jarmens Nachwuchs-Motoballer testeten ihre Maschinen jetzt auf der Start- und Landebahn des Tutower Flugplatzes.  FOTOs: Stefan Hoeft
Die knatternde Phalanx vorm „Abheben“: Jarmens Nachwuchs-Motoballer testeten ihre Maschinen jetzt auf der Start- und Landebahn des Tutower Flugplatzes. FOTOs: Stefan Hoeft

Von unserem Redaktionsmitglied
Stefan Hoeft

Dank vieler Spenden, des langen Winters und eines ungeheuren Kraftaktes in der Werkstatt steht Jarmens Motoball-Nachwuchs nun besser da als gedacht: Bereits zum Saisonauftakt
in zwei Wochen dürften
zehn Mopeds fahrbereit sein. Erstmals getestet wurden die Maschinen auf dem Flugplatz in Tutow.

Jarmen/Tutow.Ein solches Schauspiel, begleitet von lautem Knattern und blauem Auspuffdunst, hat die kilometerlange Start- und Landebahn des Flugplatzes Tutow sicher noch nie erlebt: Immer wieder preschte ein wilde Herde Simson-Mopeds über einen Teil der endlos erscheinenden Betonfläche, die früher überschallschnellen Jagdbombern und gigantischen Militärtransportern vorbehalten war. Die Zweiräder kurvten um Pylonen, beschleunigten rasant, um nur wenig später wieder abzubremsen. Und das ganze stundenlang, regelmäßig unterbrochen von technischen Checks und Messungen. Denn im Sattel saßen hier die Nachwuchs-Piloten des MSC Jarmen, die ihre Maschinen für die neue Motoball-Saison einfuhren und austesteten.
Dabei gleicht es fast einem Wunder, dass die jungen Leute überhaupt schon wieder über so viele fahrbare Untersätze verfügen. Immerhin war bei einem Einbruch Ende Dezember ein Großteil der Technik gestohlen worden, die Mannschaft stand vor dem Aus (der Nordkurier berichtete). Aber dann rollte im Januar eine riesige Hilfswelle an, die innerhalb weniger Wochen angespülten enormen Sach- und Geldspenden ermöglichten eine Neuausrüstung der Jugendtruppe.
Allerdings rechneten die Verantwortlichen dabei mit eher kleinen Schritten, müssen die Mopeds für diese Sportart doch erst entsprechend hergerichtet werden – vom Motor-Tuning bis hin zu Spezialkonstruktionen wie Ballführbügeln.
Dass es am Ende viel schneller ging, liegt nicht nur an unzähligen Sonderschichten der Mechaniker Martin Duchow und Bernd Gorkow, sondern in gewisser Weise an den Osterferien und dem hartnäckigen Winter: Weil die Außenbedingungen noch kein Training zuließen, hatten die Nachwuchs-Motoballer in den Vorwochen viel mehr Zeit für technische Dinge und nutzen die schulfreien Tage intensiv für den Werkstattdienst.
„Die Mopeds waren komplett auseinander gebaut“, verdeutlicht Gorkow, Koordinator für die Wiederaufrüstung. Er betont, dass in diese Schrauberei sämtliche Team-Mitglieder eingebunden waren. Schließlich sollen die Spieler nicht nur fahren, sondern Verständnis für die Technik unter ihrem Hintern entwickeln. Vom Spaß ganz zu schweigen, den solche Arbeiten den meisten der Jungs bereiten. Indes könnten hinterher schon mal die eine oder andere Schraube fehlen oder lose sitzen, Kabelverbindungen und Einstellungen noch nicht richtig funktionieren.
Dies herauszufinden seien Testfahrten nötig, ebenso das Einfahren für die Motoren, die bis auf zwei Exemplare völlig neu hergerichtet wurden. Doch auf öffentliche Wege dürfen die Sportler mit diesen Mopeds eigentlich nicht, und die Maße des Jarmener Motoballplatzes schränken die Vollgas-Momente arg ein.
Da wirkt es wie ein Glücksfall, dass im nahen Tutow mit der Beton-Bahn eine riesige abseits gelegene Fläche existiert und Flugplatzbetreiber Johannes Eitschberger ein Herz für die Sorgen des Vereins zeigte. „Das war überhaupt kein Problem“, berichtet Jugendleiter Ronald Tews, „ich habe mal deswegen bei ihm nachgefragt, und er hat sofort ja gesagt.“ Für ihre Testzwecke sei das Areal optimal, lobte Gorkow. Außerdem stelle diese Art des ungezügelten „Fliegens“ sicher auch mal etwas Besonderes für seine Schützlinge dar.
„Bis auf Kleinigkeiten ist alles heil geblieben“, resümierte er hinterher. Sodass nun sogar schon zehn Maschinen zur Verfügung stehen – vier mit Motoren um die 60 Kubikzentimeter, die anderen gar zwischen 70 und 80. Reicht das etwa doch schon für einen Angriff auf die deutsche Jugendmeisterschaft in diesem Jahr?
„Ich gehe davon aus, dass wir mit den 70ern konkurrenzfähig sind – zumindest im Norden“, verdeutlichte Gorkow. Wie das bei Gegnern in Süddeutschland aussieht, sei schwer zu sagen, zumal dort auf Asphalt gefahren werde. Doch egal ob es 2013 einen Titel gibt, die Zukunft der Nachwuchsarbeit steht wieder auf sicheren Rädern.

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