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Vier Läufer landen in der Klinik

Michal Bielinski aus Koszalin genießt die Massage. Der Pole hat viel Erfahrung, veranstaltet selbst einen Lauf, bei dem es Topzeiten gibt. Denn das Feld beim Nocna Sciema startet in der Nacht der Zeitumstellung. Damit ist jeder eine Stunde schneller.
Michal Bielinski aus Koszalin genießt die Massage. Der Pole hat viel Erfahrung, veranstaltet selbst einen Lauf, bei dem es Topzeiten gibt. Denn das Feld beim Nocna Sciema startet in der Nacht der Zeitumstellung. Damit ist jeder eine Stunde schneller.

VonIngmar Nehls

Wenn sich über 1000 Läufer auf die Strecke um den Tollensesee begeben, ist eine perfekte Organisation gefragt. Besonders auf die Rettungskräfte kommt es an, denn viele Läufer verlangen ihren Körpern
zu viel ab.

Neubrandenburg.„Klein aber fein“, so beschreibt der Dresdner Läufer Tell Wollert den Tollenseseelauf, eine der größten Laufveranstaltungen im Land und mit Sicherheit eines der härtesten Rennen überhaupt. „Die Höhenmeter sind schon nicht schlecht“, meint Personal Trainer Wollert, der mehrere Marathons im Jahr läuft und mit einer Zeit von drei Stunden und fünf Minuten den dritten Platz über diese Distanz schaffte. Während der Großteil noch auf der Strecke kämpfte, lag er schon auf der Massageliege und ließ sich die Waden von Karin Hoss lockern.
Seit vielen Jahren begleitet Karin Hoss als leitende Physiotherapeutin mit Azubis der Berufsschule des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikumsdie Laufveranstaltung. Eine Auszubildende ist Jennifer Lange, die sich auf der Liege neben Tell Wollert um Michal Bielinski aus Koszalin kümmert. Der Läufer aus der polnischen Partnerstadt ist schon zum vierten Mal dabei und mit drei Stunden und zwölf Minuten seine bisher schnellste Zeit gelaufen. Erfahrungsgemäß nutzen 150 Sportler das Angebot, eine Menge Arbeit für die zehn Azubis. Nicht jeder, der auf der Matte landet, ist so locker drauf, wie die beiden Spitzensportler. „Manche übernehmen sich“, sagt Karin Hoss.
Für diese Fälle sind die Retter vom DRK zur Stelle. Einsatzleiter Stefan Lammert koordiniert 53 ehrenamtliche Helfer, die mit 25 Fahrzeugen unterwegs sind. „Das Starterfeld ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Es gibt mehr Läufe und damit ist ständig Betrieb auf der Strecke“, sagt Lammert, der schon zum fünften Mal die Leitung hat. Ein Lauf um den See ist für die Rettungskräfte anspruchsvoller als ein Stadtlauf. Denn bestimmte Stellen sind für die Rettungsfahrzeuge schwer anzusteuern. „In Broda hatte jemand eine tiefe Schnittverletzung an der Hand. Den haben wir mit dem Rettungsboot geholt“, sagt Lammert. Unterstützung bekamen die Neubrandenburger Rotkreuzler vom DRK Neustrelitz, dem DRK Ostvorpommern und der Freiwilligen Feuerwehr aus der neubrandenburger Innenstadt.
Für vier Sportler endete der Lauf im Krankenhaus. Gerade im Amateurbereich würden die Läufer nicht auf die Symptome des Körpers hören, sagt Einsatzleiter Stefan Lammert. Nach dem Zieleinlauf, wenn sie zur Ruhe kommen, gibt es dann die Quittung mit Kreislaufzusammenbrüchen. „In diesem Jahr gab es im Zielbereich weniger als sonst zu tun. Wir haben dafür mehr Sportler schon während des Laufs von der Strecke geholt, die vernünftiger Weise erschöpft aufgegeben haben.“

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i.nehls@nordkurier.de

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