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Vom Standesamt zur Schlammschlacht

VonSusanne Schulz

Um beim „Strongman Run“ am Nürburgring dabei zu sein, spannte Polizist Nico Kosche sogar Trauzeugen ein und ließ sich von einer Verletzung nicht aufhalten.

Neustrelitz.Das war ein denkwürdiger Hochzeitstag für Nico Kosche: Nicht nur Ringewechsel und Liebesschwur auf der Wesenberger Burg galt es bravourös zu meistern, sondern nebenher im Festtagstrubel auch den Anmeldestart für den berühmten Strongman Run, ein Extremsport-Ereignis am Nürburgring, einzuhalten. Schließlich sind die über 10000 Teilnehmerplätze immer schnell vergeben!
Zum Glück standen dem 33-Jährigen auch bei dieser Aufgabe die Trauzeugen zur Seite, und zum Glück vermochte Braut Claudia die „Nebenbeschäftigung“ zu tolerieren: Weiß sie doch, was ihrem Mann dieser größte Hindernislauf der Welt bedeutet. Als er im vorigen Jahr zum ersten Mal beim Strongman Run teilnahm, reiste sie selbst mit an den Nürburgring, um ihn anzufeuern – im strömendem Regen. „Das wollte ich ihr nicht noch einmal zumuten“, erklärt Nico Kosche, warum diesmal sein Schwager Markus Ulrich als Betreuer mitreiste.
Aber wiebereitet man sich denn auf einen Lauf über knapp 23Kilometer – also etwas mehr als einen Halbmarathon – samt 30 Hindernissen wie Kletternetzen, Schlammgruben, einem Feld aus übereinander purzelnden Autoreifen oder einer 4,80 Meter hohen Wand aus Strohballen vor? „Laufen und Kraft kann man trainieren, für alles andere braucht man einfach eine gewisse Grundfitness“, sagt der Polizeiobermeister, der – aus Wesenberg stammend, in Neustrelitz lebend – zu seiner Dienststelle nach Hamburg pendelt.
In der Hansestadt kam der passionierte Läufer einst bei einem Urbanathlon – einem Lauf mit „städtischen“ Hindernissen wie Autos und Baugerüsten – auf den Geschmack außergewöhnlicher Wettbewerbe. „Das machte Spaß, davon wollte ich mehr“, erzählt der junge Mann, der sich auch von einer Fußverletzung kurz vorm Strongman Run nicht aufhalten ließ. „Hauptsache, ich komme ins Ziel, die Zeit ist nicht wichtig“, nahm er sich vor. Und gehörte unter den 10473 Startern zu jenen 9833, die sich nach bezwungener Strecke die „Finisher“-Plakette abholen konnten. Mit vier Stunden und 13 Minuten steht er in der Gesamtwertung auf Platz 7484 des „Starker-Mann-Rennens“, bei dem indes auch über 1000 Frauen mitmachen. Und Teamgeist ist selbstverständlich: An den Hindernissen wird anderen Läufern nicht der Ellenbogen in die Rippen gerammt, sondern eine helfende Hand gereicht, berichtet Nico Kosche.
Er trat mit der Botschaft „In Memory Of Boston“ auf dem Trikot an, zum Gedenken an dieOpfer des Bombenanschlags beim dortigen Marathon. „Ich wollte ein Zeichen setzen gegen die abscheuliche Tat“, erklärt er. Mindestens ebenso oft wie auf dieses Signal wurde erauf die Rückseiteseines Shirts angesprochen: „Mecklenburger Jung“ stand da und brachte ihm Zurufe von Läufern unteranderem aus Schwerin und Eggesin ein. Mindestens zwei weitere Strelitzer waren übrigens am Start. Und auch Nico Kosche hat seine Claudia bereits darauf vorbereitet, dass er 2014 erneut dabei sein will.

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susanne.schulz@nordkurier.de

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