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Auch Angela ist vom Uli tief enttäuscht

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich von FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach dessen Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung distanziert.  FOTO: Kay Nietfeld/Archiv
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich von FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach dessen Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung distanziert. FOTO: Kay Nietfeld/Archiv

VonAndreas Herholz

Eine „traurige Facette“ sei zu den Hoeneßschen Leistungen dazugekommen, befand die Bundeskanzlerin.
Das Thema Steuerhinter- ziehung rückt in den Fokus des Bundestagswahlkampfs

Berlin.Über Angela Merkel geriet er schon mal ins Schwärmen: Die Kanzlerin sei die Garantin für das Überleben des Euro. Merkel betreibe „sensationelle Politik“, lobte Uli Hoeneß erst kürzlich wieder und zeigte sich als bekennender Fan der CDU-Chefin. Und auch Merkel schätzte den Präsidenten des FC Bayern und suchte seinen Rat.
Jetzt geht die Kanzlerin auf Distanz, schaltet sich in die Affäre ein. „Viele Menschen sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen“, erklärte ihr Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Enttäuschung sei umso größer bei jemandem, der für so viel Positives stehe.
Nach der Selbstanzeige wegen Steuerbetruges und den Berichten über ein Millionenvermögen in der Schweiz dürfte die Zeit vorbei sein, in der der 61-jährige Geschäftsmann und Fußballexperte ein gern gesehener Gast im Kanzleramt war und sich Merkel gern mit ihm an ihrer Seite fotografieren ließ. Natürlich habe sie großen Respekt vor den Verdiensten und dem sozialen Engagement des Bayern-Präsidenten. Jetzt sei allerdings „eine traurige Facette“ dazugekommen. Schließlich sei Steuerhinterziehung ein schweres Delikt.
Der Fall Hoeneß wird zum Politikum. Der Saubermann plötzlich in der Rolle des Buhmanns. Entwickelt sich der Bayern-Präsident zum unfreiwilligen Wahlhelfer von SPD und Grünen? Plötzlich rückt das Thema Steuerhinterziehung weit nach oben auf der politischen Tagesordnung. Das Thema Gerechtigkeit, die Gerechtigkeitsfrage, die SPD und Grüne in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes stellen wollen, ist plötzlich wieder in aller Munde. Der prominente Fan der Kanzlerin, der seit Jahren enge Beziehungen zu Spitzenpolitikern von Union und FDP, vor allem zu CSU-Spitzen, pflegt, gibt dem Thema Steuerhinterziehung jetzt ein Gesicht.
Welcher Weg ist der richtige und erfolgreichste im Kampf gegen Steuersünder?

„Nicht nur Fische fangen, sondern ganzen Schwarm“
Die Kanzlerin bleibt dabei: Sie und ihre schwarz-gelbe Koalition halten das von SPD, Grünen und Linkspartei im Bundesrat blockierte Steuerabkommen mit der Schweiz für ein wirksames Rezept im Kampf gegen Steuerflüchtlinge. Eines Tages werde solch ein Abkommen realisiert werden, so Merkels Hoffnung.
Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verteidigt das von ihm verhandelte Abkommen. Hoeneß sei ein Einzelfall. Mit der am Widerstand der Opposition gescheiterten Vereinbarung zur Besteuerung von Altkapital und künftiger Kapitalerträge wäre es dagegen möglich gewesen, „nicht nur die Einzelfische zu fangen, sondern den ganzen Schwarm im Netz zu haben“, erklärt Schäubles Sprecher.
Das Abkommen sah vor, dass auf Alt-Kapital deutscher Bankkunden in der Schweiz eine einmalige Pauschalsteuer zwischen 21 und 41 Prozent erhoben werden sollte und die Steuersünder anonym geblieben wären. Darauf hatte wohl auch der Präsident des FC Bayern gesetzt.
Der Fall Hoeneß – für die Opposition die Bestätigung ihrer Linie im Kampf gegen Steuerbetrug und die Hoffnung auf einen wirksamen Wahlkampfschlager. „Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, Steuerhinterziehung und Betrug, ist ein Straftatbestand“, sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und verteidigte die Blockade des Steuerabkommens Ende 2012 im Bundesrat. Der Vorwurf von SPD und Grünen: Union und FDP hätten Steuerhinterzieher die Anonymität und somit eine Amnestie auf Umwegen sichern wollen. Die Opposition will weiter in den Bundesländern auf den Ankauf von illegalen Steuersünder-Daten setzen.
So dürfte das Thema Steuerflucht in den kommenden Monaten fester Bestandteil der Kundgebungen vor der Bundestagswahl werden. Einer wollte sich nicht dazu äußern, er verwies stattdessen auf die Ermittlungen gegen ihn: Uli Hoeneß.

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