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Bayern-Ticket als Lohn für den Kurzarbeiter Brähmer

VonAndreas Frank

Mit einem schnellen K.o.-Sieg in Hamburg gegen den Franzosen Tony Averlant hat der Ex-Weltmeister auf dem Weg zurück auf den Halbschwergewichts-Thron eine weitere Etappe erfolgreich zurückgelegt.

Hamburg.Erst die Kurzarbeit, dann das Vergnügen – nach 336 Sekunden Weltklasseboxen, beendet durch eine krachende Linke auf die Leber von Herausforderer Tony Averlant, freute sich der alte und neue Europameister Jürgen Brähmer auf Weltklassefußball in der Champions League. Den Besuch in Barcelona am Mittwoch beim Halbfinal-Rückspiel der Katalanen gegen den FC Bayern München darf der Halbschwergewichtler als kleine Atempause auf dem Weg zurück auf den WM-Thron genießen.
Denn nach dem 40. Sieg im 42. Kampf gegen den überforderten Franzosen ist nun der Weg frei für die Vollendung eines spannenden Comebacks. Ende September oder Anfang Oktober soll der Schweriner Pflichtherausforderer den WBO-Weltmeister Nathan Cleverly aus Wales vor die Fäuste bekommen – mit exzellenten Siegchancen. „Ich komme immer mehr in Form, das konnte man sehen. Der Gegner hat die Leber freigemacht, und ich habe getroffen“, sagte der Fighter aus Mecklenburg. Von einem aktuellen Leistungsvermögen von 80 Prozent sprach Trainer Karsten Röwer, was Promoter Kalle Sauerland fassungslos zurückließ: „Dann möchte man ja keinem Gegner wünschen, dass Jürgen 100 Prozent boxt.“ Fast 14 Jahre nach seinem Profidebüt, ebenfalls in Hamburg, und knapp fünf Jahre nach seinem ersten WBO-Welttitel, paart der ehemalige Junioren-Weltmeister jetzt gewissenhafte Trainingsarbeit mit überlegener Routine zu einer für jeden Kontrahenten gefährlichen Mischung. Röwer: „Jürgen ist im Ring kein Pitbull mehr, sondern ein richtig guter, fast ästhetischer Boxer.“ Der 3200 Zuschauer in der Alsterdorfer Sporthalle mit seinem trockenen Knock-out von den Sitzen riss. Mehr und mehr gelingt es dem 34-Jährigen durch sein technisch feines Boxen, sich von seinem Image als krimineller Rüpel zu lösen. Eine Gefängnisstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung unterbrach einst Brähmers Karriere für drei Jahre, doch längst wird er nicht mehr als „Knastboxer“ gesehen oder sogar gebrandmarkt.
Einen herben Rückschlag erlitt der Hamburger Halbmittelgewichtler Jack Culcay, der in der Ecke erstmals von Vitali Klitschkos Trainer Fritz Sdunek betreut wurde. Der ehemalige Amateur-Weltmeister kassierte in seinem 15. Profikampf die erste Niederlage. Gegen Guido Nicolas Pitto aus Argentinien verlor der 27-Jährige über zwölf Runden nach Punkten, sah sich aber als Opfer der Punktrichter. „Ich habe mich vorne gesehen. Ich fordere einen Rückkampf“, sagte Culcay.

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