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Bayerns goldene Generation fürchtet den Deppen-Stempel

Bastian Schweinsteiger möchte im Finale von Wembley seine Karriere krönen. [KT_CREDIT] FOTO: Federico Gambarini
Bastian Schweinsteiger möchte im Finale von Wembley seine Karriere krönen. [KT_CREDIT] FOTO: Federico Gambarini

VonHolger Schmidt

Vor allem für die Münchener Spieler Bastian Schwein-
steiger und Philipp Lahm geht es im Champions-
League-Finale in Wembley auch um den Ruf.

Köln.Thomas Müller ist gerade mal 23, doch selbst er fürchtet schon den bösen Stempel. „Für mich wird's auch langsam Zeit, dass ich das Ding mal hole“, sagt der Nationalspieler vor dem Champions-League-Finale mit Bayern München gegen Borussia Dortmund: „Wenn du dreimal verlierst, hast du einen Loser-Stempel drauf – und den willst du nicht.“
Wie es gehen kann, hat Müller in den vergangenen Jahren aus der Nähe verfolgen können. Seit 2000 ist er im Verein, und so hat er nach dem Champions-League-Sieg ein Jahr darauf all seine Idole immer beim letzten Schritt stolpern sehen.
Die Karriere von Michael Ballack, Deutschlands einzigem Weltstar kurz nach der Jahrtausendwende, gilt als unvollendet, weil er nie Weltmeister, Europameister oder Champions-League-Sieger wurde. Philipp Lahm (29) und Bastian Schweinsteiger (28) haben mit den Bayern sieben beziehungsweise elf nationale Titel geholt, doch auch ihnen fehlt im Frühherbst der Karriere noch der eine große Titel für die Ewigkeit.
Thomas Müller hat mitbekommen, wie sehr sich seine Kollegen deshalb verspotten lassen mussten. Wie sie als „ewige Verlierer“ gebrandmarkt wurden, obwohl sie in seinen Augen so viel erreicht hatten. Und nun hat auch Müller seit 2010 schon je zwei Halbfinal-Niederlagen mit der Nationalelf und verlorene Endspiele mit den Bayern erlebt. Und er will kein Loser sein.
Müller hat natürlich noch viele Jahre Zeit, und für den deutschen Fußballsport wird der 25. Mai so oder so eine Erlösung darstellen: Der erste große Titel einer deutschen Mannschaft seit zwölf Jahren wird auch ein gutes Dutzend deutscher Nationalspieler mit einem Titel krönen.

„Schweinsteiger der beste Mittelfeldspieler der Welt“
Doch dringend wäre dies für Lahm und Schweinsteiger. „Zu einer großen Ära gehören internationale Titel. Wenn es in den nächsten Jahren, in denen ich dabei bin, nicht mit Titeln klappt, wird man nicht von einer großen Ära oder einer goldenen Generation sprechen können. Daran lasse ich mich messen“, hatte Lahm, Kapitän der Bayern und der DFB-Elf, vor einem Jahr gesagt. Richtig genervt ist Schweinsteiger. Wenn er keinen großen Titel hole, „sterbe ich auch nicht früher“, motzt dieser inzwischen auf Nachfagen. Der Vize-Kapitän, für seinen Trainer Jupp Heynckes „im Moment der beste Mittelfeldspieler der Welt“, ist auch genervt, weil die Diskussion immer in eine um Führungsspieler ausartet.
Hoffnung macht: Der Pleite im „Finale dahoam“ ließen Schweinsteiger und Co. die bisher beste Saison der glorreichen Bayern-Geschichte folgen. Heynckes ist sicher: Schweinsteiger sei „so stabil wie selten“, sagt der Coach: „Er hat genauso wie Philipp Lahm den Hunger, das Pünktchen aufs I zu setzen.“
Mit einem Sieg in London könnten Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger nun ihr Lebenswerk veredeln und die Diskussionen auf immer verstummen lassen.

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