Nordkurier.de

Berliner Trainer bleibt Eisbär

VonJörg Soldwisch

Nach seinem fünften Meistertitel scheint die Zukunft von Erfolgstrainer Don Jackson trotz des Lockrufs anderer Klubs weiter in Berlin zu liegen.

Berlin.Uwe Krupp war schon längst mit leerem Blick in die Kabine geflüchtet, als Don Jackson seinen großen Auftritt hatte. Vor der Fankurve der Eisbären Berlin hüpfte der Amerikaner wie ein Irrwisch auf und ab, reckte dann den Silberpokal in die Höhe und ließ sich von den Anhängern mit Sprechchören feiern. Für den „stillen Don“ fast schon ein emotionaler Ausbruch. Bei seinem fünften Meistertitel in sechs Jahren hatte „Jackson Five“ nicht nur den Kölner Trainerkollegen Krupp klar in den Schatten gestellt. Mit einer Liebeserklärung an den Klub setzte er auch den Spekulationen um seinen Weggang ein Ende. „Ich bin ein Eisbär. So lange man mich hier haben will, bleibe ich. Es gibt keinen Grund, Berlin zu verlassen“, sagte der 56-Jährige nach dem 4:1-Sieg im vierten und letzten Finalspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gegen die Haie. Eisbären-Manager Peter John Lee nahm den Puck sofort auf: „Dann werden wir gleich verhandeln. Er hat Spaß und Erfolg, warum sollte er auch weggehen wollen?“ Vielleicht, weil 600 km südlich in München das Großunternehmen Red Bull ein reizvolles Eishockey-Projekt plant und Gerüchten zufolge ein Auge auf den erfolgreichsten Trainer der vergangenen Jahre geworfen hat. Jacksons Vertrag läuft offiziell aus, der Titel-Garant ist daher heiß begehrt. Nach seinem klaren Bekenntnis spricht aber alles für einen Verbleib beim DEL-Rekordchampion (sieben Titel in neun Jahren), auch wenn Lee nur vorsichtig optimistisch ist: „Donnie wird sich Zeit lassen.“
Die Spieler hielten noch bei der Siegerfeier auf dem Eis ein Plädoyer für ihren Coach. „Er hat einen super Charakter, ich habe viel von ihm gelernt“, sagte Kapitän André Rankel nach dem ersten Titel-Hattrick der Vereinsgeschichte. Auch Jens Baxmann schwärmte: „Er weiß genau, wie er uns anzupacken hat, wann er uns Freiraum geben kann und wann er die Zügel anziehen muss.“ Jacksons Qualitäten waren in dieser Achterbahn-Saison allesamt gefragt. Nach dem Karriereende der Führungsspieler Sven Felski und Stefan Ustorf fehlte dem Titelverteidiger lange Zeit der Punch. Nach schwächerer Hinrunde blühten die jungen deutschen Spieler wie Rankel, Florian Busch und Constantin Braun (zum MVP gewählt) in den Play-offs in ihren neuen Führungsrollen auf. Am Ende bewiesen die abgezockten Berliner wieder einmal: Von den Eisbären lernen, heißt siegen lernen. „Die Erfahrung hat sich gegen mein spielerisch stärkeres Team durchgesetzt“, sagte Haie-Coach Krupp.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×