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Blinden-Kick mit Rasselball fasziniert

Das Interesse am Blindenfußball war groß.  FOTO: Privat
Das Interesse am Blindenfußball war groß. FOTO: Privat

VonSiegmund Menzel

Deutschlands Idol
Uwe Seeler ist begeistert von dem Können der Blindenfußballer.

Hamburg.Der Hamburger Rathausmarkt hat sich kürzlich in ein Fußballfeld verwandelt. Hunderte Zuschauer verfolgten die Spiele auf dem Kunstrasen. Der Ball rasselte, die Akteure trugen
Augenklappen, und es ging
sehr lautstark zu. Blinde
Kicker aus Stuttgart,
Köln, Gelsenkirchen, Braunschweig Berlin, Marburg, Chemnitz und St. Pauli wetteiferten am zweiten Spieltag der Blindenfußball-Bundesliga um Tore und Punkte.
Das Hamburger Fußballidol Uwe Seeler ließ es sich nicht nehmen, die Veranstaltung zu besuchen. Er ist sportlicher Pate der Bundesliga und Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung, die gemeinsam mit dem Behindertensportverband und dem Blinden- und Sehschwachenverband die Bundesliga unterstützt. Der 76-jährige DFB-Ehrenspielführer schrieb mit viel Ausdauer Autogramme und kam mit blinden Fußballern ins Gespräch. Er wollte eigentlich nur eine halbe Stunde auf dem Rathausmarkt bleiben, daraus wurden jedoch zwei Stunden.
„Faszinierend, toll, sensationell“, so umschreibt der gebürtige Hamburger das Spiel mit dem Rasselball. Seeler weiß, worüber er spricht, hatte sich bereits vor Jahren eine Schwarzbrille aufgesetzt und mittrainiert. Blindenfußball zu spielen sei unheimlich schwer, deshalb habe er riesige Hochachtung vor dem Können der Bundesliga-Teams.
Der Start für Blindenfußball in Deutschland wurde im Mai 2006 in Berlin gegeben. Zwei Jahre später folgte die Gründung der Bundesliga. Die Spieltage werden unter dem Motto „Mit Fußball in die Mitte der Gesellschaft“ teilweise auf zentralen öffentlichen Plätzen mitten in der Stadt ausgetragen. In der Saison 2013 kämpfen insgesamt neun Teams um den Titel. Nach dem zweiten Spieltag ist MTV Stuttgart Tabellenführer. Die nächsten Spiele finden am 15. Juni in Regensburg statt.
Beim Blindenfußball spielen jeweils vier Sportler und ein sehender Torwart gegeneinander. Unterstützt wird jede Mannschaft von ihrem Torwart, der aus seinem acht Quadratmeter großen Bereich jedoch nicht heraustreten darf, sowie von einem so genannten Seitenrufer an der Bande und von einem Trainer, der hinter dem gegnerischen Tor steht und durch Kommandos versucht, den ballführenden Sportler zum Torabschluss zu rufen. Damit es zu keinen Zusammenstößen kommt, dient das international bekannte Wort „Voy“ (spanisch = ich komme/gehe) als Zuruf, wenn ein Spieler de Ballführenden angreift.

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