Nordkurier.de

Das Seuchenjahr des Meistermachers

Boxtrainer Ulli Wegner – hier mit Schützling Arthur Abraham – hat ein schweres Jahr hinter sich. [KT_CREDIT] FOTO: Veronika Müller
Boxtrainer Ulli Wegner – hier mit Schützling Arthur Abraham – hat ein schweres Jahr hinter sich. [KT_CREDIT] FOTO: Veronika Müller

VonManfred Hönel

Ulli Wegner hat einen Ruf in der Box-Szene: Nach Niederlagen und Verletzungen seiner „Aushängeschilder“ will der Trainer zurück in die Erfolgsspur – mit
seinen Methoden.

Berlin.Da schluckte Weltmeister Marco Huck. „Komm her, hol deine Klamotten und flieg nach England“, wetterte Trainer Ulli Wegner am Telefon. „Trainer so war das nicht gemeint“, stammelte Huck. Wegner war sauer, weil sich der Champion nicht nur mit Haye-Trainer Adam Booth ablichten ließ, sondern auch etwas von Trainerwechsel faselte. Jetzt hat sich der Sturm längst wieder gelegt. Marco Huck unterschrieb bis 2014 bei Sauerland „und trainiert für den Titelkampf gegen Ola Afolabi wie ein Teufel“, grinst Wegner.
„Als Trainer musst du einmal ein Machtwort sprechen und auf den Tisch hauen, sonst verlierst du schnell den Respekt“, begründet Wegner seine konsequente Haltung. Der 70-Jährige will schon Kumpel sein. „Aber wenn dich die Boxer loben, was du für ein netter Kerl beim Training bist, dann machst du kaum Weltmeister aus ihnen. Leistungssport ist hart“, verliert der Star-Trainer klare Worte. Wegner gibt unumwunden zu: „Arthur Abrahams Niederlage gegen Stieglitz war die schwerste sportliche Niederlage meines Lebens. Ich bin nicht an Niederlagen gewöhnt, deshalb kaue ich immer noch daran.“ Damit Arthur gar nicht auf dumme Gedanken kommt, verriet „General“ Wegner: „Ich fühle mich noch fit, halte das Tatzentraining weiterhin gut durch. Ich habe deshalb locker bis 2015 unterschrieben.“
Dabei gesteht der Box-Lehrer ohne Umschweife: „Arthur ist ein reicher Mann geworden. Dadurch lässt er sich jetzt etwas schwerer trainieren.“ Ulli Wegner trägt aus diesem Grund den Spruch eines unbekannten Amerikaners in der Brieftasche. Fast jeden zweiten Tag liest er diesen Spruch seinen Boxern vor: „Der Ruhm lässt keinen Menschen unberührt. Er hat einige zerstört und einige verkrüppelt.“ „Also immer schön auf dem Teppich bleiben, dann schnappst du auch im Siegesrausch nicht über“, so der Meistermacher. Selbstherrliche Momente strich Arthur Abraham inzwischen aus seinem Verhalten. Die Veilchen sind aus seinem Gesicht verschwunden und der 33 Jahre alte Profi kann auch auf dem lange geschwollenen linken Auge wieder sehen. Bei Abraham scheint es, durch die bittere TKO-Niederlage gegen Stieglitz Klick gemacht zu haben. Der Berliner brennt wieder und hat nach den Beobachtungen seiner Teamgefährten den alten Ehrgeiz wiederentdeckt. Trainer Wegner sagt deshalb ziemlich energisch: „Wir wollen unbedingt einen dritten Kampf. Ich denke mal, SES-Manager Ulf Steinforth ist so fair und bietet uns die Chance. Wir boxen auch gern wieder in Magdeburg. In der alten Box-Stadt verfügen die Fans über richtig gutes Fachwissen. Da macht ein Boxabend Spaß.“
Für Wegner ist dieses 2013 bisher ein Seuchenjahr. Juan Pablo Hernandez hat die Hand gebrochen und unterzog sich einer Ellenbogen-OP, Robert Helenius brach sich ebenfalls die Hand. Dazu kommen die verlorenen Kämpfe von Dominik Britsch und Eduard Gutknecht. Doch Wegner schwört: „Wir geben nicht auf. Die Verletzten müssen sich auskurieren. Britsch und Gutknecht sind Spitze im Training. Das wird sich bald auch im Ring niederschlagen. Ich bin fest überzeugt, die beiden Jungs bringen es noch zu Titeln.“
Ein neues Gesicht erwartet Wegner in seiner Trainingsgruppe mit dem Ukrainer Iango Kiladze. Der 26 Jahre alte Cruisergewichtler hat von
20 Kämpfen 20 gewonnen und strebt nach einem Weltmeistertitel. Im Sauerlandstall bei Erfolgstrainer Ulli Wegner glaubt sich der
1,92 m große Kiladze für dieses Vorhaben am besten aufgehoben.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×