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Dynamo-Jubiläum zwischen Geldsorgen und Abstiegskampf

Der Sieg über den FC St. Pauli hat den Dynamo-Kickern wieder Hoffnung gemacht, die Klasse zu halten. [KT_CREDIT] FOTO: dpa
Der Sieg über den FC St. Pauli hat den Dynamo-Kickern wieder Hoffnung gemacht, die Klasse zu halten. [KT_CREDIT] FOTO: dpa

Von dpa-Korrespondent
Gerald Fritsche

Dresden gilt als Kultverein
in den neuen Bundesländern. Zum 60. Geburtstag geht es jedoch wieder einmal um das sportliche und damit wirtschaftliche Überleben.

Dresden.Wenn Klub-Idol Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner derzeit über Dynamo Dresden spricht, ist ihm seine innere Zerrissenheit deutlich anzumerken. Denn neben Vorfreude und Stolz auf das Jubiläum zum 60. Geburtstag „seines“ Klubs heute bestimmt auch die Sorge um die sportliche und finanzielle Situation beim achtmaligen DDR-Meister die Gefühlswelt des Dynamo-Rekordspielers. „Es ist eine prekäre Situation. Ich hoffe, dass die Mannschaft die Klasse hält. Das wäre für den Verein, die Stadt und das ganze Umfeld sehr wichtig“, sagte Dörner.
Sportlich im Abstiegskampf der 2. Liga, wirtschaftlich zum Sparen gezwungen und juristisch weiter im Kampf gegen den DFB-Pokalausschluss – doch zumindest der Ehrentag des sächsischen Traditionsvereins soll nicht von den Problemen überschattet werden. „Man sollte sich davon loslösen und die 60 Jahre würdig begehen», betonte der 62-Jährige. Denn an der erfolgreichen Geschichte Dynamos hatte der «Beckenbauer des Ostens“ maßgeblichen Anteil. Von 1967 bis 1986 war er Dynamo aktiv, gewann in den 70er-Jahren fünf DDR-Meisterschaften und insgesamt viermal den FDGB-Pokal. „In den 70er-Jahren wurde der Mythos Dynamo aufgebaut. Auch durch die internationalen Spiele“, sagte der 100-malige DDR-Nationalspieler. Mit dem Dresdner Kreisel unter Trainerlegende Walter Fritzsch wurde Dresden zur erfolgreichsten DDR-Mannschaft dieser Epoche. Noch vor dem von Stasi-Boss Erich Mielke protegierten Erzrivalen BFC Dynamo aus Berlin. 15 Nationalspieler wurden in dieser Zeit in Dresden ausgebildet.
Auch international sorgte der Klub für Furore. Unvergessen sind die Aufeinandertreffen mit Bayern München im Jahr 1973 – den ersten deutsch-deutschen Duellen überhaupt. Bayerns Libero Franz Beckenbauer war beeindruckt von der Klasse der Spieler. „Ostdeutsche Fußballer gehören zu den Besten in Europa“, schwärmte Beckenbauer damals. Er sollte recht behalten, denn nur äußerst knapp mit 4:3 und 3:3 setzte sich das Münchner Star-Ensemble durch. In Erinnerung ist auch noch das legendäre 3:7 im Europapokal der Pokalsieger bei Bayer Uerdingen. Das Hinspiel hatten die Sachsen 2:0 gewonnen, und im Rückspiel lagen sie zur Halbzeit auch schon mit 3:1 vorne, ehe die Krefelder in 28 Minuten noch sechs Tore erzielten. Im Jahr 1989 folgte der größte internationale Erfolg: Wenige Monate vor dem Mauerfall scheiterte der Klub im Halbfinale des UEFA-Cups knapp am VfB Stuttgart. Kurz danach wurden Dynamo-Spieler wie Matthias Sammer oder Ulf Kirsten im Westen zu Stars. Wechselhafte Jahre begannen. Der Qualifikation für die gesamtdeutsche Bundesliga folgte 1995 der Lizenzentzug. „Das war sicherlich das negativste Erlebnis“, erinnert sich Dörner. Der damalige Präsident Rolf-Jürgen Otto wurde zum Symbol für den Einzug halbseidender Unternehmer aus dem Westen in die ostdeutschen Bundesländer – nicht nur im Sport. Jahrelang dauerte es, bis sich der Verein davon erholte. Zwischenzeitlich musste der Klub in Liga vier antreten. Seit zwei Jahren spielt Dynamo nun wieder in der 2. Liga, momentan aber mehr schlecht als recht. Ein Punkt Vorsprung hat der Klub auf den Abstiegsrelegationsrang. Heute gastieren die Sachsen am Tag des Jubiläums bei Union Berlin.
Immer wieder überschattet wurde das Auftreten Dynamos zuletzt von Ausschreitungen vermeintlicher Anhänger. Trotz intensiver Fanarbeit bekommt der Verein das Problem nicht in den Griff, das Image leidet. Im März wurde der Verein aus dem DFB-Pokal der kommenden Saison ausgeschlossen, die Verhandlung der letzten sportrechtlichen Instanz steht allerdings in der Sache noch aus.

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