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Ehrhoff und Co. gehen in die Vollen

Doppeltorschütze Marcus Kick (links) und Yannic Seidenberg feiern den wichtigen Sieg über Österreich im Abstiegsduell. [KT_CREDIT] FOTO: Pekka Sipola
Doppeltorschütze Marcus Kick (links) und Yannic Seidenberg feiern den wichtigen Sieg über Österreich im Abstiegsduell. [KT_CREDIT] FOTO: Pekka Sipola

VonThomas Lipinski

Nach dem 2:0-Zittersieg gegen Österreich ist die Abstiegsgefahr bei der WM gebannt, die deutschen Nationalspieler träumen nun vom Viertelfinale.

Helsinki.Am Tag nach ihrem ersten WM-Sieg machten die Spieler einen großen Bogen um die Eisfläche und gingen stattdessen beim Bowling in die Vollen. Nur Christian Ehrhoff war ein bisschen traurig. „Meine Tochter ist vier Jahre alt geworden, und ich war nicht da. Da hat man als Vater auch ein weinendes Auge“, sagte der Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Immerhin stellte der NHL-Profi mit seinen Kollegen am Geburtstag von Töchterchen Leni mit dem 2:0-Zittersieg gegen
Österreich sicher, dass er nicht als Absteiger aus Helsinki zurückkehrt.
„Gut, dass wir gewonnen haben, dann kann ich mit gutem Gewissen nach Hause kommen. Dann können wir auch den Vatertag nachholen.“
Wann Ehrhoff wieder daheim in Krefeld sein wird, weiß er allerdings noch nicht. Nach dem hart erkämpften und am Ende glücklichen Erfolg gegen den Aufsteiger ist sogar eine Verlängerung möglich. Gewinnt die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) ihre verbleibenden Vorrundenspiele morgen gegen Lettland, am Sonntag gegen die USA und am kommenden Dienstag gegen Frankreich, steht sie doch noch im Viertelfinale. „Solange das große Ziel noch zu greifen ist, wollen wir alles versuchen“, sagte Marcus Kink, der bei der Revanche für das Olympia-Aus im Februar zum Torjäger avancierte. Der Mannheimer, eigentlich vorwiegend mit Defensivaufgaben betraut, beruhigte nach 37 quälenden Minuten die flatternden Nerven mit einem erfolgreichen Alleingang. „Eines der schönsten Tore der WM“, lobte Ehrhoff, und Kink konnte sich an seinem Treffer gar nicht satt sehen: „Da hab’ ich schon noch mal zum Videowürfel hochgeschaut, ich schieß’ ja nicht so oft bei der WM ein Tor.“ Acht Sekunden vor Schluss bekam der 28-Jährige dann noch seinen dritten Treffer des Turniers gutgeschrieben, obwohl er den Puck gar nicht im verlassenen österreichischen Tor untergebracht hatte. NHL-Star Thomas Vanek hatte ihn von hinten gefoult, die Schiedsrichter entschieden auf „technisches Tor“ – der erste deutsche WM-Sieg nach drei Niederlagen war perfekt.
Entscheidenden Anteil hatte auch Torhüter Rob Zepp, der noch beim 2:3 gegen die Slowakei zweimal gepatzt hatte. Nach nervösem Beginn wehrte der Berliner alle 27 Schüsse ab und feierte seinen ersten Shutout im DEB-Trikot. „Er war unglaublich – Gott sei Dank“, sagte Bundestrainer Pat Cortina und atmete durch.
Überraschung in der deutschen Gruppe B: Ausgerechnet gegen den Außenseiter Frankreich ist die WM-Siegesserie des Rekordweltmeisters Russland gerissen. Der Titelverteidiger ging nach dem überraschenden 1:2 (0:0, 1:2, 0:0) am Herrentag gegen den WM-Neunten erstmals seit dem kleinen Finale 2011 wieder als Verlierer vom Eis.

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