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Es wird einsam um Uli Hoeneß

[KT_CREDIT] Karikatur: Harm bengen
[KT_CREDIT] Karikatur: Harm bengen

VonKlaus Bergmann, Christoph TrostundMichael Brehme

Mit einer Selbstanzeige ist Uli Hoeneß ins Visier der Steuerfahnder geraten. Der Bayern-Präsident zieht die Notbremse, um straffrei zu bleiben. Sein Ruf als Saubermann ist ramponiert. Vor den Barça-Spielen kommt der Skandal für den Verein zur Unzeit.

München.Ein geheimes Konto in der Schweiz könnte Uli Hoeneß teuer zu stehen kommen. Nach einer Selbstanzeige beim Finanzamt geht es für den Präsidenten des FCBayern München nicht nur um Geld und Straffreiheit, sondern auch um sein Ansehen, das nach den Enthüllungen des Wochenendes mehr als angekratzt ist. Das öffentliche Bild des streitbaren Vordenkers und Klartextredners mit hohen Wertvorstellungen über den Fußball hinaus muss womöglich neu gezeichnet werden.
Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen den 61 Jahre alten Sportfunktionär und Unternehmer wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung, wie der „Focus“ schreibt. Das Nachrichtenmagazin, dessen Herausgeber Helmut Markwort dem Verwaltungsbeirat des FC Bayern angehört, berief sich auf Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich und Hoeneß selbst.
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärte, schon seit längerem Kenntnis von dem Verfahren zu haben. Der „Focus“ zitierte aus einer schriftlichen Stellungnahme, die Hoeneß dem Magazin übermittelt habe: „Ich habe im Januar 2013 über meinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht.“ Diese hänge „mit einem Konto von mir in der Schweiz“ zusammen.
Laut Oberstaatsanwalt Heidenreich sei die „Prüfung auf Wirksamkeit und Vollständigkeit der Selbstanzeige“ Gegenstand des Verfahrens. Belegbare Angaben über die im Raum stehenden Summen gibt es nicht. Auch eine Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft wollte keine näheren Angaben zum Fall machen.

Auf politischem und
sozialemGebiet unterwegs
Gegen Hoeneß wendet sich nun auch, dass er seit seinem Rückzug vom Managerposten und der Wahl zum Bayern-Präsidenten 2009 sein Engagement auf politischem und sozialem Terrain forciert hatte. Der Metzgerssohn, der mit großzügigen Spenden ein Herz für die Schwachen in der Gesellschaft beweist, äußerte sich in Talkshows auch zu Steuerfragen wie der Reichensteuer. Man müsse die Reichen im Lande behalten, warnte er, „damit sie hier gemolken werden können“. Er verwies auch darauf, das die Bayern-Profis „schon jetzt eine Halbzeit für das Finanzamt“ spielten.
Uli Hoeneß und die CSU: Das ist nicht irgendeine Beziehung, und der Vereinsboss ist für die CSU nicht irgendwer. Deshalb sorgen sich viele Christsoziale, dass ihre Partei in die Affäre um die Steuerhinterziehungs-Vorwürfe gegen Hoeneß hineingezogen werden könnte – ausgerechnet wenige Monate vor den wichtigen Wahlen in Bayern und im Bund. Der Fall könne der CSU durchaus schaden, räumt ein Mitglied der Parteiführung ein. Weil die CSU immer wieder die Nähe zu Hoeneß gesucht habe – und umgekehrt. Auch, „weil das in Bayern passiert“.
Zwar ist nicht davon auszugehen, dass irgendein führender oder ehemals führender CSU-Politiker von Hoeneß‘ Millionen in der Schweiz gewusst hat. „Man kennt von den Leuten, mit denen man sich trifft, nicht immer gleich alle dunklen Seiten“, sagt ein Christsozialer.
Die engen Bande zwischen Hoeneß und der CSU sind bekannt – von den persönlich engen Beziehungen zwischen dem 61-Jährigen auf der einen Seite und Seehofer, Stoiber & Co. auf der anderen ganz abgesehen. Im Jahr 2010 war Hoeneß beispielsweise auch zu Gast bei einer CSU-Vorstandsklausur in Wildbad Kreuth. Damals empfahl der FC-Bayern-Mann den Christsozialen: „Ziel muss sein, wieder ganz nach oben zu kommen, und oben heißt für mich 55 Prozent.“ Und Seehofer sagte voller Hochachtung: „Vom FC Bayern kann man sich abgucken, wie man trotz großer Herausforderungen Erfolg haben kann.“
Dass Hoeneß bei der Landtagswahl Seehofer unterstützt, daraus hat er nie einen Hehl gemacht – wobei er im gleichen Atemzug auch einmal ankündigte, im Münchner OB-Wahlkampf den SPD-Mann Dieter Reiter unterstützen zu wollen. Ihm sei „wurscht“, von welcher Partei ein Politiker sei – gut müsse er sein, soll Hoeneß einmal gesagt haben.
Die CSU versuchte sogar, Hoeneß offiziell zu ihrem Kandidaten zu machen, um zusätzliche Stimmen zu
bekommen. So soll die oberbayerische CSU-Bezirksvorsitzende Ilse Aigner dem Fußball-Präsidenten einen durchaus aussichtsreichen Platz auf der Landtagsliste angeboten haben – Uli Hoeneß aber sagte ab.
Heute, bei den Negativ-Schlagzeilen, dürften Aigner und die CSU durchaus froh darüber sein.

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