Nordkurier.de

Geballte Frauenpower führt Ost-Vereine zur Meisterschaft

VonPeter Stracke

Im Volleyball kämpfen Schwerin und Dresden um die Krone, im Handball liefern sich der Thüringer HC und der HC Leipzig ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Warum boomt der Frauensport im Osten so?

Leipzig.Die Volleyballerinnen aus Schwerin und Dresden streiten um den Meistertitel, genau wie die Handballerinnen des Thüringer HC und des HC Leipzig: Wenn es in den wichtigen deutschen Ballsport-Ligen der Frauen um die sprichwörtliche Wurst geht, dann ist Derbyzeit. Die ostdeutschen Paradevereine bestimmen zum Teil wegen ihrer hervorragenden Nachwuchsarbeit, aber nicht zuletzt auch wegen der aus der ehemaligen DDR herübergeretteten Traditionen seit Jahren das Niveau. „Der Frauensport hat im Osten einfach einen höheren Stellenwert“, sagt Johannes-Meinhart Wienecke. Der Anwalt steht als Präsident dem neunmaligen Volleyball-Meister Schweriner SC vor, der morgen mit einem Erfolg beim Erzrivalen Dresdner SC den Titel-Hattrick schon perfekt machen kann. „Was unsere beiden Vereine aber vor allem seit Jahren an der Spitze hält, ist die konstant gute Nachwuchsarbeit“, sagt Wienecke.
Der Präsident verweist auf die Eliteschule des Sports und den Schweriner Olympiastützpunkt. Für die zukünftigen Spitzenspielerinnen eine ideale Symbiose aus schulischer und sportlicher Ausbildung. Ähnliche Bedingungen finden sich beim Handball-Topverein HC Leipzig. „Wir bieten beim HCL professionelle Strukturen, die beim Sportgymnasium beginnen. Es kommt nicht von ungefähr, dass wir in den beiden letzten Jahren deutscher A-Jugendmeister waren“, sagt Leipzigs langjähriger Manager Kay-Sven Hähner. Hähner sagt, dass es gerade in ehemaligen DDR-Hochburgen wie Leipzig und Magdeburg mit Handball oder Schwerin und Dresden mit Volleyball gelungen sei, „gewisse Strukturen zu retten und anzupassen“.
Natürlich sei aber der Erfolg des Frauensports auch ein Ergebnis von regionaler Akzeptanz. „Wir hatten zum Meisterschafts-Halbfinale gegen Buxtehude fast 4000 Zuschauer in der Halle, beim Finale fast 5000. Ich glaube, der Osten ist offener gegenüber den Leistungssportlerinnen“, meint Hähner.
Geschäftsführer Karsten Günther, der mit dem Männer-Zweitligisten DHfK neben dem HC um die Zuschauergunst in der ehemaligen DDR-Handball-Hochburg wirbt, führt an: „Bei den Frauen kannst du mit einem Etat von 1,3 Millionen Euro um die Meisterschaft spielen, bei den Männern braucht es etwa das Zehnfache.“ Für den mit einem Etat von einer Million Euro brutto regelmäßig um Titel spielenden Schweriner SC bemängelt der Vereinschef stellvertretend für alle Frauen-Topvereine die fehlende TV-Akzeptanz. Nicht einmal der MDR zeigte Live-Bilder vom ersten Handballfinale zwischen Leipzig und dem Thüringer HC.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×