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Heiße dritte Halbzeit beim Millionen-Spiel

VonHolger Schmidt

Waren die Spieler von Bayer Leverkusen unfair oder die von Schalke 04 wehleidig? Diese Frage erhitzte nach dem 2:2 im Spitzenspiel
die Gemüter.

Gelsenkirchen.Eigentlich hatten sich alle Angeklagten in der dritten Halbzeit auf Schiedsrichter Manuel Gräfe als Schuldigen geeinigt. Doch sie machten sich auch gegenseitig Vorwürfe nach dem 2:2 im hitzigen Duell ums direkte Champions-League-Ticket: Die Schalker monierten Unfairness der Leverkusener, diese wiederum Wehleidigkeit der Schalker.
Die heftig diskutierte Szene in der 39. Minute, als der Schalker Ciprian Marica im Strafraum auf dem Boden lag, der Leverkusener Lars Bender trotzdem flankte und Simon Rolfes das 0:1 erzielte (39.), fasste wohl Julian Draxler am besten zusammen. „Es stand sehr viel auf dem Spiel“, sagte der 19 Jahre alte Schalker: „Wenn es ein anderes Spiel gewesen wäre, hätten die Leverkusener den Ball sicher ins Aus geschossen.“ Dies hätte man durchaus tun können, doch im 20-Millionen-Spiel spielte Fairness eine Nebenrolle. Bender hatte Marica wohl gesehen, auch wenn er halbherzig versuchte, anderes glaubhaft zu machen. „Ich kann die Aufregung der Schalker verstehen, wir hätten uns genauso beschwert. Aber ich bin sicher, 99 Prozent würden genauso handeln“, sagte der Nationalspieler und ergänzte ironisch: „Das nächste Mal haue ich den Ball ins Aus, gehe in die Kabine und höre auf zu spielen.“ Stefan Kießling, der im Luftduell mit Marica mit den Köpfen zusammengeprallt war, lief derweil fluchend durch die Katakomben. „Unglaublich, was für blöde Fragen man sich hier anhören muss“, schimpfte er. Marica jedoch setzte die Leverkusener auf die moralische Anklagebank. „Ich glaube, das war unfair. Wenn wir von Fair Play reden, hätten sie den Ball ins Aus spielen müssen“, sagte der Rumäne, musste sich dann aber selbst durch die Blume Schauspielerei vorwerfen lassen. „Wir haben in Deutschland das Problem, dass wir den Ball schon ins Aus spielen, wenn einer den Fußnagel verbogen hat“, sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler: „Marica war zehn Sekunden später wieder vorne im Sturm, als wäre nix gewesen.“
Sein Kapitän Simon Rolfes spottete: „Ich habe nicht gesehen, dass Marica vom Arzt vom Platz getragen werden musste. Wenn das Schule macht, bleiben wir künftig jedes Mal nach einer Ecke liegen, wenn der Ball schlecht abgewehrt wurde. Wo kommen wir denn dahin?“
Sky-Experte Lothar Matthäus unterstellte den Schalkern gar, sich die Argumentation erst nachträglich zurechtgelegt zu haben. „Ich glaube, einige Schalker Spieler haben es am Anfang gar nicht mitbekommen“, sagte der Weltmeister von 1990: „Erst als der Ball im Tor war, haben sie so richtig protestiert.“

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