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Kanada-Lotterie zwischen Regen und Murmeltieren

VonThomas Weitekamp

Die Konkurrenz hofft auf den ersten Ausrutscher des Weltmeisters – doch Vettel hat mit Montreal
noch eine Rechnung offen.

Köln/Montreal.Sebastian Vettel hatte nach seinem starken Auftritt in Monaco keine Zeit zu verlieren. Nur zwei Tage waren vergangen, da saß der Weltmeister schon wieder im Simulator, Vorbereitung auf den Großen Preis von Kanada am Sonntag war angesagt. Lange Pausen kann sich der Heppenheimer auch nach Etappenerfolgen nicht erlauben – das Rennen um die WM lässt das nicht zu. „Es bleibt unheimlich eng, unheimlich umkämpft und extrem spannend“, sagt der Gesamtführende, der Weg zum vierten Titel in Folge sei noch lang: „Wir haben gerade ein Viertel der Saison rum, da kann noch viel passieren.“ Eine Warnung, die vor dem Rennen in Montreal besonders aktuell scheint. Kaum eine Strecke gibt es, auf der die Ergebnisse schwieriger vorauszusagen sind, eine „Lotterie“ nennt Vettels erster Verfolger Kimi Räikkönen (Lotus) den Circuit Gilles Villeneuve sogar. „Viele Dinge“ gebe es dort, „die das Rennen beeinflussen: Das Wetter kann sich schnell ändern, die Reifen oder die Strecke funktionieren nicht optimal, Safety-Car-Einsätze sind häufig“, sagt der Finne. 21 Punkte Vorsprung hat Vettel (107) derzeit auf Räikkönen (86), Vizweltmeister Fernando Alonso (Ferrari/78) fehlen 29 Zähler auf den Champion.
Der Moment, in dem das Pech auch bei Vettel Station macht, wird wohl kommen, und darauf wartet die Konkurrenz. „Es ist noch nicht vorbei“, sagt etwa Räikkönen, „21 Punkte sind nicht zu viel – besonders, wenn Sebastian irgendwann auch ein schlechtes Wochenende hat.“
Dass Lotus und und wohl auch Ferrari vor allem in Nordamerika auf einen Ausrutscher Vettels hoffen, ist nicht ohne Grund – in der Erfolgsgeschichte des Weltmeisters ist Montreal eines der wenigen unbeschriebenen Blätter. Noch nie hat er hier gewonnen. Einmal, 2011, war er ganz nah dran in Kanada, doch sintflutartiger Niederschlag sorgte für eine lange Rennunterbrechung – und anschließend für einen Dreher des in Führung liegenden Weltmeisters in der letzten Runde.
Nicht weniger außergewöhnlich als der Dauerregen sind übrigens die permanenten Bewohner des idyllischen Kurses: Murmeltiere sorgen alle Jahre wieder mit gefährlichen Ausflügen auf die Strecke für Aufsehen.

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