Nordkurier.de

Kleinert kontra Schwanitz – das Duell im Kugelstoßring

Nadine Kleinert (links) umarmt Konkurrentin Christina Schwanitz. [KT_CREDIT] FOTO: BERND THISSEN
Nadine Kleinert (links) umarmt Konkurrentin Christina Schwanitz. [KT_CREDIT] FOTO: BERND THISSEN

VonSebastian Stiekel

Wer ist die beste Kugelstoßerin in Deutschland? Jahrelang hieß die Antwort auf diese Frage nur: Nadine Kleinert. Doch in der letzten Saison ihrer Karriere droht sie ihre Position an Christina Schwanitz zu verlieren.

Oslo.Nadine Kleinert hat in ihrer Karriere schon stolze neun internationale Medaillen geholt. Doch in dieser Saison, der vermutlich letzten einer langen, erfolgreichen Laufbahn, steht die 37-Jährige noch einmal vor einer Herausforderung, die in dieser Form neu für sie ist. Es geht darum, eine Wachablösung im deutschen Kugelstoßen entweder noch einmal zu verhindern oder zumindest sportlich fair zu ertragen. Ersteres wird für Kleinert nicht einfach, da ihre Rivalin Christina Schwanitz in diesem Jahr schon die Hallen-EM in Göteborg und das Diamond-League-Meeting in Shanghai gewann.
In China siegte die zehn Jahre Jüngere von beiden sogar mit der Weltklasse-Weite von 20,20 Metern. Was den drohenden Machtwechsel angeht, hat Kleinert Ende Mai aber schon einmal Größe bewiesen. Als Schwanitz das direkte Duell bei den Haller Werfertagen klar für sich entschied, klatschte die jahrelange Nummer eins Beifall.

„Wir kratzen uns nicht
gegenseitig die Augen aus“
Morgen kommt es nun in Oslo zur Revanche: die deutsche Freiluft-Europameisterin gegen die deutsche Hallen-Europameisterin. „Natürlich versuchen wir uns gegenseitig zu überbieten. Jede will besser sein als die andere“, sagt Schwanitz dazu. „Wir kratzen uns aber auch nicht gegenseitig die Augen aus. Letztes Jahr bei den Olympischen Spielen sind wir in London zusammen shoppen gegangen.“
Für das Verhältnis zwischen Platzhirsch und Herausforderer gibt es in der Leichtathletik verschiedene Beispiele. Kugelstoßer Ralf Bartels etwa wurde zu einem wichtigen Mentor, als er merkte, dass er mit dem
13 Jahre jüngeren David Storl nicht mehr mithalten konnte. Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch dagegen sagte erst vor einer Woche über sich und die deutsche Rekordhalterin Ariane Friedrich: „Wir sind Konkurrentinnen. Unser Verhältnis ist nicht gut.“
Fast schon legendär ist die Ehrfurcht des mehrfachen Weltmeisters und Olympiasiegers Kenenisa Bekele aus Äthiopien, der sich 2003 im WM-Finale über 10000 Meter kaum traute, sein großes Idol Haile Gebrselassie zu überholen. Der unterlegene Altmeister winkte seinen Landsmann in der letzten Runde geradezu vorbei.
Ganz so wird es zwischen den beiden deutschen Kugelstoßerinnen wahrscheinlich nie zugehen. Für Schwanitz ist es allerdings ein völlig neues Gefühl, nach einem Wettkampf vor Kleinert zu stehen. Die Olympischen Spiele in London und das Ende einer langwierigen Fußverletzung im vergangenen Jahr waren für sie zwei Wendepunkte. „Seitdem gehe ich viel sicherer in die Wettkämpfe“, erklärt die 27-Jährige. „Als ich vor zwei Jahren 19,86 Meter gestoßen habe, dachte ich: Wie soll ich das jemals wieder schaffen? Jetzt weiß ich: Ich kann das.“
Mittlerweile spürt sie sogar schon so etwas wie Erfolgsdruck. Bei den Weltmeisterschaften in Moskau gehört sie zu den Medaillenkandidaten. „Ich arbeite daran und wünsche mir das, aber klar ist das noch lange nicht“, sagt Schwanitz leicht gereizt. Nadine Kleinert hat es in dieser Hinsicht leichter. Sie hat bereits vier WM-Medaillen gewonnen: „Ich habe alles in meiner Karriere erreicht.“

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×