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Maracanã-Vorspiel: Chaos und Pfiffe

Die Fans haben sich trotz vieler Mängel im Stadion und im Spiel ihres Teams die gute Laune erhalten. [KT_CREDIT] FOTO: Antonio Lacerda
Die Fans haben sich trotz vieler Mängel im Stadion und im Spiel ihres Teams die gute Laune erhalten. [KT_CREDIT] FOTO: Antonio Lacerda

VonCharlotte Schneider

Das Stadion und die Seleção bestehen ihre erste Belastungsprobe beim Test gegen England nur mühsam. Das Eröffnungsspiel in der legendären Arena offenbart noch Nachholbedarf.

Rio de Janeiro.„Under Construction“ – Ein Schild über einem Seiteneingang des Maracanã brachte auf den Punkt, was das 2:2 (0:0) der brasilianischen Nationalmannschaft gegen England im Eröffnungsspiel der legendären Arena auch sportlich offenbart hatte. Im Land des fünfmaligen Fußball-Weltmeisters gibt es zwei Wochen vor dem Beginn des Confederations Cup noch viel zu tun. Sowohl das wiedereröffnete Stadion als auch die Seleção wirkten unfertig, was nicht nur daran lag, dass im Außenbereich der Arena noch immer gebaut wird.
„Was das Maracanã betrifft, kann ich nicht beurteilen, ob es den Ansprüchen heute genügt hat. Dazu habe ich davon zu wenig gesehen. Bei meiner Mannschaft aber ist es klar, die war nur in der ersten Hälfte exzellent“, resümierte Brasiliens Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari nach dem durchwachsenen Auftritt seiner Mannschaft im Testlauf. Immerhin: Das Spiel fand statt, was nach dem Possenspiel im Vorfeld schon ein Erfolg war. Schließlich hatte eine Richterin zwei Tage vor der Eröffnung des komplettsanierten Baus die Austragung wegen möglicher Sicherheitsmängel zunächst untersagt, ehe diese Entscheidung wieder revidiert worden war.
Von einem reibungslosen Ablauf der Einweihungsfeier im für eine Milliarde Reais (360 Millionen Euro) sanierten Fußballmonument waren die Brasilianer aber noch weit entfernt. Jene Zuschauer, die es trotz chaotischer Bedingungen bei den Einlasskontrollen auf die ausverkauften, aber nicht voll besetzten Tribünen geschafft hatten, bedachten die Mannschaft schon zur Halbzeit mit wütenden Pfiffen. Denn trotz drückender Überlegenheit und einem starken Neymar stand es nur 0:0. Ein Ergebnis, für das sich vor allem Englands Torwart Joe Hart rühmen durfte. Der Keeper von Manchester City hatte den künftigen Offensivartisten des FC Barcelona nahezu alleine an einem Tor gehindert. „England hat heute aus sieben Torschüssen zwei Treffer gemacht, während wir für zwei Treffer 30 Torschüsse gebraucht haben“, bemängelte Scolari die schwache Chancenausbeute.
Als Wayne Rooney die „Three Lions“ gar in Führung brachte (79.), verstummten die knapp 70 000 Zuschauer und setzten erst wieder ein, als Paulinho für den 2:2-Endstand sorgte (82.). „Wir wollten heute ein großes Fest feiern, das ist uns nicht ganz gelungen“, kommentierte Scolari die mäßige Stimmung in der Arena.
Alles andere als eine eigene Rückkehr der Ballzauberer ins Maracanã zum Finale des Confederations Cups am 30. Juni wäre für ganz Brasilien eine riesige Enttäuschung.

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