Nordkurier.de

Mit dem Super-Sprintzug zur 100. Tour

Beim Berliner Pro-Race
über 184,6 km holte sich der Thüringer Marcel Kittel nach 2011 zum zweiten Mal den Sieg. Hinter dem Italiener Matteo Pelucchi sprintete André Greipel (30) auf den dritten Rang. Manfred Hönel sprach mit dem Rostocker.

Im vorigen Jahr haben
Sie das Rennen gewonnen, diesmal Platz drei. Sind Sie sauer?
Natürlich hätte ich gern gewonnen. Aber sauer? Keine Spur. Immerhin stand ich auf dem Podium. Schließlich habe ich nicht gegen einen Hobbyradler verloren. Ich war angesichts der langen Geraden auf der „Straße des 17. Juni“ ein bisschen nervös und habe den Spurt zu früh angezogen.

Bis Sonntag lief die Tour Dauphine in Frankreich,
dazu rollt seit Sonnabend die Tour de Swiss.
Warum starteten Sie
ausgerechnet in Berlin?
Das hat einen ganz einfachen Grund. Das Rennen ist gut besetzt, dazu ist der Velothon mit dem Pro Race in Berlin ein Flachkurs. Also kann man davon ausgehen, dass es zu einer Sprint-Ankunft kommt. Wir bei Lotto-Belisol haben den stärksten Sprintzug der Welt. Mit dem wollen wir bei der Tour de France zwei bis drei Etappen gewinnen. Berlin ist dafür ein gutes Probeterrain. Leider konnten wir im Gegensatz zur Tour statt mit neun wegen des Berliner Reglements nur mit sechs Fahrern starten. Wir haben trotzdem und auch angesichts des dritten Platzes gut geübt.

Wo haben Sie die zurück-
liegende Trainingsphase
absolviert?
Wir wohnen jetzt in Altweiler in der Schweiz. Dort habe ich auch trainiert. Einmal bin ich die 180 km um den Bodensee gefahren. Das lasse ich jetzt weg. Auf der Straße dort ist zu viel Verkehr. Ich trainiere oft zusammen mit Tony Martin, Bert Grabsch, Marcus Burghardt oder Andreas Klöden. Es kommt darauf an, wer gerade da ist.

Worauf konzentrieren Sie sich bei der bevorstehende 100. Tour de France?
Ausschließlich auf die Etappenankünfte. Das Gelbe und sogar das Grüne Trikot könnten nur zufällig herausspringen. Gelb ist höchstens bei den ersten Etappen auf Korsika drin. Auch das Grüne Sprinttrikot ist nach dem neuen Reglement nicht mehr so leicht als Sprinter zu erobern, da es jetzt auf der Strecke nur noch einen einzigen Wertungssprint gibt und die ersten 25 Fahrer Punkte erhalten. Beim Etappensprint bekommen lediglich fünf Fahrer mehr – also 30 – Punkte. Wer sich also auf den Wertungssprint konzentriert, sieht nicht schlecht aus. Selbst bei Bergetappen liegt der Wertungssprint manchmal vor den Anstiegen, und da kann ein Allrounder durchaus Punkte sammeln.

Werden Sie bei der
Deutschen Meisterschaft in Wangen im Allgäu
antreten?
Die Meisterschaft ist der letzte Test für die Tour, vorher starte ich noch ab Mittwoch bei der CLM-Tour in Holland. Die WM im September in Italien lasse ich aus. Der Kurs ist nichts für Sprinter.

Ist Rostock kein Thema mehr für Sie?
Ganz im Gegenteil. Wir sind eng mit unserer Heimatstadt verbunden. Mein Vater war beim Rennen in Berlin dabei. Mit meinem früheren Trainer Peter Sager telefoniere ich mindestens einmal in
der Woche. Nach der Tour werden wir vielleicht für
ein paar Tage Urlaub in
unserer Datsche in Rerik machen.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×