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Müder Turn-Star will kein Kurzarbeiter mehr sein

Der deutsche Turner Marcel Nguyen in Aktion. [KT_CREDIT] FOTO: Bernd Weißbrod
Der deutsche Turner Marcel Nguyen in Aktion. [KT_CREDIT] FOTO: Bernd Weißbrod

VonAndreas Frank

Die Terminhatz auf und neben dem Turnpodium macht dem Olympia-Zweiten Marcel Nguyen immer mehr
zu schaffen.

Moskau.Ein Fulltime-Job neben dem Turnpodium, aber nur noch Kurzarbeit an den Geräten – so richtig ausgelastet fühlt sich Marcel Nguyen bei den Europameisterschaften in Moskau nicht. Im Gegenteil: „Die langen Pausen beim Training zwischen den Übungen sind ungewohnt für mich“, sagt der 25-Jährige fast ein wenig irritiert. Und dennoch: Spürbar die Notbremse gezogen hat der Olympia-Zweite von London selbst.
Seit dem Mehrkampf-Silber ist speziell außerhalb der Turnhallen nichts mehr so, wie es vorher war für den Unterhachinger. TV-Auftritte, Fernsehshows, Sponsorentermine, Autogrammstunde – Zeitfresser der lukrativen Art haben jede Trainingsminute für Nguyen kostbarer denn je werden lassen. Und so reicht das Vorbereitungspensum derzeit einfach nicht, um sich an allen sechs Geräten EM-fit zu machen. „Ich bin irgendwie nicht so richtig in das Jahr hineingekommen und daher ein bisschen müde“, räumt der einstige Mannschafts-Europameister ein. In der russischen Hauptstadt konzentriert sich Nguyen in erster Linie auf eine erfolgreiche Titelverteidigung am Barren, auch an den Ringen stellt er sich der Konkurrenz. Dabei war der Halb-Vietnamese, der in der Bundesliga für den MTV Stuttgart an die Geräte geht, im nach-olympischen Winter keineswegs unerfolgreich. Der Schützling von Trainer Waleri Belenki holte sich den lukrativen Gesamtweltcup, doch schon Anfang des Monats in Tokio deutete sich an, dass Nguyens Formkurve nach unten ging: „Dass ich dort gestartet bin, war aber auch ein Wunsch des Verbandes.“ Auch bei den deutschen Meisterschaften im Rahmen des Deutschen Turnfestes im Mai in Mannheim wird die „asiatische Leichtbauweise Mensch“, wie Chefcoach Andreas Hirsch ihn gern nennt, noch auf Sparflamme turnen. Erst bei der WM im Oktober in Antwerpen soll es wieder das volle Programm geben: „So sieht der Plan aus.“
Wie Nguyen verzichtet auch Teamkollege Fabian Hambüchen im Sportkomplex Olimpiski auf einen kompletten Sechskampf, allerdings nur, weil Trainingsrückstand am Barren aufgrund einer Kapselverletzung am Finger eine hochwertige Übung an diesem Gerät derzeit noch nicht wieder zulässt. „Aber ich will so schnell wie möglich zurück zum Mehrkampf.“

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