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Nach dem Offenbarungseid kocht die Bremer Volksseele

VonChristoph Stukenbrock

Der Werder-Trainer bietet nach dem 0:3-Debakel gegen den VfL Wolfsburg sogar seinen Rücktritt an. Manager Thomas Eichin will aber an Thomas Schaaf festhalten.

Bremen.Thomas Schaaf versuchte, Gelassenheit zu demonstrieren. Mit übereinander geschlagenen Beinen und den Händen tief in den Taschen seines Kapuzenpullovers analysierte der Bremer Coach den erneuten Offenbarungseid seines Teams. Während die Volksseele nach der 0:3 (0:2)-Heimschlappe im Nordduell gegen den VfL Wolfsburg vor dem Stadion kochte, bot Schaaf noch im Kabinentrakt der Arena öffentlich seinen Rücktritt an. Die Rückkehr von Klaus Allofs an seine alte Wirkungsstätte verkam angesichts des neunten Werder-Spiels ohne Sieg hintereinander zur Randnotiz.
„Wenn ich das Problem sein sollte, dann trete ich gerne auf die Seite“, sagte Schaaf mit ernstem Blick. Der 51-Jährige wirkte am späten Samstagabend ratlos – und war tief enttäuscht. „So eine Leistung ist für mich unverständlich. Wir haben eine Art und Weise in den Zweikämpfen gehabt, wie man es schlechter nicht machen kann. So kann man kein Spiel gewinnen“, sagte Schaaf. Werder-Geschäftsfüher Thomas Eichin reagierte gereizt auf die Frage nach der Zukunft Schaafs. „Selbst wenn ich mir Gedanken machen würde, würde ich sie hier nicht äußern“, sagte Eichin. Der 46-Jährige stärkte seinem Trainer demonstrativ den Rücken und schoss sich nach der blamablen Vorstellung lieber auf die Spieler ein. „Thomas ist von der Mannschaft komplett im Stich gelassen worden“, sagte Eichin. Er kündigte Konsequenzen an: „Die Art der Trainingsführung und die Art generell wird sich diese Woche sicherlich ein bisschen ändern.“ Doch auch Schaaf wird sich – zumindest intern – einige unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. Warum ließ er Abwehrchef Sokratis auf dem linken Flügel beginnen anstatt auf seiner angestammten Innenverteidiger-Position? Und warum ließ er Werders besten Stürmer Nils Petersen trotz dessen Genesung zunächst auf der Bank? Als Schaaf sein taktisches Experiment nach 33 Minuten beim Stand von 0:2 beendete, war die Partie praktisch schon entschieden. Die leidensfähigen und normalerweise als sehr geduldig geltenden Bremer Fans quittierten die siebte Heim-Niederlage ihres Teams mit einem gellenden Pfeifkonzert und eindeutigen Sprechchören. „Wir haben die Schnauze voll“, sangen Teile der Anhänger bereits lange vor dem Abpfiff. „Das habe ich hier noch nie gehört. Man muss es aber auch verstehen. Wenn wir solchen Spiele abliefern, ist das normal“, sagte Werder-Kapitän Clemens Fritz und entschuldigte sich stellvertretend für seine Mannschaft.

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