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Nach „Jahrhundertspiel“ reist Hansa jetzt mit breiter Brust

Schoss das „goldene“ Tor für Hansa Rostock im „Jahrhundertspiel“: Ondrej Smetana. [KT_CREDIT] FOTO: andy Bünning
Schoss das „goldene“ Tor für Hansa Rostock im „Jahrhundertspiel“: Ondrej Smetana. [KT_CREDIT] FOTO: andy Bünning

VonHans Puckmann

Die Rostocker haben den Bock umgestoßen und einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf der 3. Liga gelandet. Auch Trainer Fascher wird nach dem zweiten Sieg des Jahres etwas ruhiger
schlafen können.

Aachen/Rostock.Marc Fascher bekam sich nicht mehr ein. Wie von der Tarantel gestochen stürmte der Trainer von Hansa Rostock nach dem Abpfiff beim 4:3 (1:2) bei Alemannia Aachen das Spielfeld und feierte in der Fankurve ausgelassen das „Jahrhundertspiel“, wie er es später nannte. „Am liebsten wäre ich wohl um die ganze Welt gelaufen. Das ist ein Gefühl, wie wir es lange nicht mehr hatten“, gestand der 44-Jährige total erleichtert ein. Der zweite Sieg im Fußballjahr 2013 brachte die Hanseaten im Abstiegskampf der 3. Liga ein erhebliches Stück voran und rettete dem arg in die Kritik geratenen Trainer wohl den Job. Zumindest vorerst: Weitere Abstiegsprüfungen stehen in dieser Woche mit den Partien morgen in Babelsberg und am Samstag in der heimischen DKB-Arena gegen Borussia Dortmund II an.
Wohl auch deshalb fiel die Euphorie bei Matchwinner Ondrej Smetana wesentlich bescheidener aus. Der Tscheche setzte mit seinem Tor in der 82. Minute den Schlusspunkt unter die mit Sicherheit fünf verrücktesten Minuten der Mecklenburger in der laufenden Saison. „Mein Schuss wurde abgefälscht und dadurch unhaltbar. Dieses Glück haben wir aber auch einmal verdient“, befand der 30-Jährige.
Ohne Moral hätten die Hanseaten aber das Glück nicht zwingen können. „Ich habe mich sehr über das erste Saisontor von Michael Blum gefreut. Doch danach begann sofort das Dilemma – gleich im Gegenzug kassieren wir den Ausgleich! Und dann lassen die Aachener gleich noch zwei Sonntagsschüsse folgen. Da waren wir im Grunde schon mausetot gewesen“, hatte auch Marc Fascher bereits mit der sechsten Niederlage im sechsten Auswärtsspiel der Rückrunde gerechnet. Doch er zog noch einmal das letzte Ass aus dem Ärmel. „Eigentlich war abgesprochen, dass ich nach meiner Verletzung heute maximal die letzten 15 Minuten spielen sollte. Doch nach dem dritten Gegentor musste ich plötzlich doch länger ran“, erklärte Ondrej Smetana. „Absteiger, Absteiger“ hallte es zu diesem Zeitpunkt aus dem Block der Rostocker Ultras. Doch in Aachen blieben die Hanseaten von den Schmäh-Gesängen der eigenen Anhänger unbeeindruckt und bliesen zur Aufholjagd, die Tom Weilandt mit seinem erfolgreichen Flachschuss zum 2:3 einleitete. Nur zwei Minuten später stand es bereits 3:3 durch Johan Plat. Und Joker Smetana krönte die Aufholjagd.
Morgen ab 19 Uhr müssen die Rostocker beim Tabellenvorletzten SV Babelsberg 03 weiter machen. „Für diese Begegnung haben wir natürlich neues Selbstbewusstsein getankt“, weiß Mittelfeldspieler Ken Leemans und warnt: „Das wird kein Selbstläufer.“

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