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Rennsteigläufer trotzen Eis und Schnee

VonArmin Gehrmann

Der diesjährige Rennsteiglauf hat den fast
16 000 Sportlern einmal mehr alles abverlangt. Im Starterfeld waren viele Laufenthusiasten
aus dem Nordosten.

Schmiedefeld.Dass der Rennsteigort Schmiedefeld ein bekannter Wintersportort ist, wussten die 15992 gemeldeten Rennsteigläufer und-wanderer dieses Jahres. Dass sie nun aber rätselten, ob es das Ende des Winters oder schon der Beginn des Herbstes sei, war nicht zu erwarten. Ob nun Eisenach, Neuhaus oder Oberhof, an allen drei Startorten herrschten zum Start lediglich zwei bis drei Grad über Null. Zudem war in den Nächten zuvor in den Höhenlagen starker Schneeregen heruntergekommen, sodass sich Inselsberg, Schmücke und Großer Beerberg in leichte Schneekappen hüllten. Allerdings blieb der allseits gefürchtete Regen am Wettkampftag aus. Nur die weit mehr als neun Stunden auf der Strecke befindlichen Supermarathonis (72,7 km) bekamen am Nachmittag rund um die Schmücke einen Graupelschauer ab.
Die Zeiten der Dominanz erfolgreicher Läufer aus dem Flachland mit Jürgen Timm (Altentreptow), Detlef Wegner und Christin Ehrke (Prenzlau), Roland Winkler (Berlin) oder Dietmar Knies (Leipzig) sind längst vorbei. Mit der intensiveren Orientierung auf Gebirgs- oder Cross-Distanzen setzten sich zuletzt immer mehr leistungsorientiert trainierende Amateure durch. So gingen, wie bereits berichtet, in diesem Jahr alle Siege an Athleten aus Mittelgebirgsregionen oder deren Randlagen.
Auch für die Läufer aus Angermünde, Neubrandenburg, Schwedt oder Waren/Müritz stand durchaus mehr als „Mitmachen ist Trumpf“ auf dem Programm.
Und auch das gibt’s: Der Neubrandenburger Detlef Kull hatte eigentlich seinen 27. Start am Rennsteig in Angriff nehmen wollen, konnte das aber aus gesundheitlichen Gründen nicht. Anwesend war er allerdings, denn er wollte miterleben, wie sich die starke Neubrandenburger Abordnung (HSV, SV Turbine) schlagen würde. Außerdem sei dieser Lauf schon immer ein Treff von Sportfreunden. So war er schon etwas neidisch, als Eckhard Molenda (Einheit Ueckermünde) seinen 26. Zieleinlauf in Schmiedefeld abhaken konnte. Daher bekamen nicht nur die Könige des Rennsteigs auf der wieder dicht besetzten langen Zielgeraden tosenden Beifall sondern die Nordlichter auch viel Schulterklopfen. Das galt für Michael Maciej (scn energy Torgelow/M 50) nach dem Supermarathon in 7:38:15 Stunden ebenso wie für Rennsteig-„Inventar“ Peter Anders (TSV 62 Prenzlau/M 55) nach 8:27:55 oder Rolf Gürtler (Strasburg/M 60) nach 8:39:15. Andere steigerten sich enorm, was dem Angermünder Lutz Greulich (M 45) bei seinem dritten Rennsteig-Start mit sehr guten 7:06:28, immerhin Rang 166 unter den gemeldeten 2277 Athleten, auf dem langen Kanten gelang.

Geburtstagskind klar
unter vier Stunden
Im Marathon lieferte Mike Ott (HSV Neubrandenburg) mit 3:38:06 (193. unter 2877 Startern) eindeutig die herausragendste Zeit. Enorm sind aber auch die 5:03:38 des Pasewalkers Klaus-Jürgen Haack auf Gesamtrang 1785, denn er gehört mittlerweile der M 65 an. Stolz darf auch Ute Mrotzek (Neustrelitz/W 50) auf ihre 4:19:15 sein, womit sie nicht nur Gesamtrang 87 sondern Altersklassenrang neun erreichte. Ins Ziel gekommen sah Bianka Bromund (Turbine Neubrandenburg/W 45) nach 42,2 km recht locker aus. Vielleicht hat sie ja etwas von ihrer Tochter (einer Triathletin) gelernt. „Durch sie bin ich ja erst zum Laufen gekommen. Und das macht mir jetzt richtig Spaß“, sprudelte es aus ihr nach 5:16:39 heraus. Exzellentes kann auch die Uckermark für sich registrieren. Roland Kehl blieb an seinem 44. Geburtstag in 3:52:52 klar unter der angestrebten Vier-Stunden-Grenze. Noch viel höher sind aber die 4:58:33 des Angermünders Peter Schaarschmidt einzuschätzen. Nach 30 Supermarathon-Starts stellte er sich in der M 70 immer noch der Herausforderung des olympischen Klassikers und wurde in seiner Altersklasse auf Rang elf notiert.
Mit 7552 gemeldeten Halbmarathon-Startern stießen die Organisatoren in neue Dimensionen vor, ohne Zweifel zugleich aber auch an die Grenzen des Machbaren. Die Verlegung des Starts auf die breite Tambacher Straße ergab einen flüssigeren Startablauf als bisher. Die Hoffnung, dass nun ab dem Rondell am Rennsteiggarten im Anstieg Richtung Großer Beerberg das Feld weiter auseinandergezogen sei, erfüllte sich aber nicht. Erst nach Kilometer 12 hatte für die Masse der Athleten, die Zeiten von 1:50 bis 2:10 anstrebten, die Drängelei ein Ende. Erstaunliche Leistungen gab es aber auch hier für die Nordostler. Als erste ist da die Garde der Senioren zu nennen. Manfred Köppen (IG Postheim Templin) wurde in 3:02:52 Dritter der M 80, seine Frau Gisela in der gleichen Zeit 16. der W 70. Und Manfred Köppen hatte sogar einen uckermärkischen Verfolger. Harry Lüdtke (ESV 49 Angermünde) startete nach Jahren der Pause wieder einmal am Rennsteig und wurde Vierter der M 80.
Margitta Lindow (Turbine Neubrandenburg) erreichte 1:55:40 und Rang 22 der W50. Kurz dahinter kam Waltraud Zimdars (LAV Waren) ins Ziel. Ihre 1:58:33 bedeuteten Rang vier der W 60. Und auch das symbolisiert das Motto „Dem Rennsteig die Treue“: Unter den vielen Wanderern war auch das Templiner Ehepaar Bartelt, das eine 17-km-Strecke locker meisterte.

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