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Ringen um Ringe – der historische Kampf in New York

VonChris Melzer

Wenn Iraner, Russen und Amerikaner aufeinandertreffen, muss das im Kampf enden. Stimmt, zumindest in New York, wenn Ringer aus den drei Ländern dafür kämpfen, dass die Sportart
olympisch bleibt.

New York.Es passiert nicht oft, dass der Iran einen Sieg über die USA bejubeln kann – dazu noch mitten in New York, ja in Manhattan. Doch jetzt legten die Iraner die Amerikaner aufs Kreuz: Bei einem historischen Show-Wettkampf im Grand-Central-Bahnhof gewann der Iran, doch das war Nebensache. Denn die Ringer aus den USA, dem Iran und auch aus Russland wollten gemeinsam gewinnen – und dem jahrtausendealten Traditionssport durch diese PR-Veranstaltung die Olympia-Zukunft sichern. Im Februar hatte die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) empfohlen, Ringen aus dem Olympia-Programm zu streichen, wirksam von 2020 an. Nicht nur bei Traditionalisten ging ein Aufschrei durch die Reihen, ist doch Ringen eine der klassischen Disziplinen.
Selbst eingefleischte Ringer bestreiten zwar nicht, dass ihre Sportart nicht annähernd so viele Begeisterte anzieht wie Fußball oder Basketball. Stars, die weltweit jeder kennt, haben sie auch nicht hervorgebracht – aber dem Sport gleich die Olympia-Tauglichkeit absprechen? Doch noch haben die Schultern den Boden nicht berührt und die Ringer kämpfen. Das Spektakel in Grand Central, dem größten Bahnhof der Welt, lockte Tausende an und die Ringer konnten sich wirklich wie Stars fühlen. „Es ist ein großartiger Sport. Man lernt so viel über sich selbst“, sagte der amerikanische Ringer Matthew Russo. „Der größte Gegner, das bist immer Du selbst. Und das macht Ringen so spannend und so wertvoll.“ Dass es Olympia ohne Ringen gibt, könne er sich gar nicht vorstellen. „Aber ich bin optimistisch. Denn wir bekommen von allen Seiten Zuspruch.“
USA, Russland, Iran – das ist die Weltspitze im Ringen. Für einen iranischen Sportler wäre die Streichung seines Volkssports eine Katastrophe. „Das wäre nicht fair. Sie nehmen uns unseren Nationalstolz“, sagte ein Mitglied des iranischen Teams. „Mein Gott, gerade die Iraner sind so emotional, wer könnte besser für diese Sportart werben als sie“, fragte Royce Alger. Der Vize-Weltmeister von 1990 guckte anerkennend zu den Kollegen rüber und grinste. „Wenn man deren Begeisterung in Flaschen füllen könnte, würde ich gern dem IOC ein paar schicken.“ Auch wenn die Iraner wie die Russen es etwas übertrieben hätten: „Das ist ein Freundschaftskampf und wir haben unseren Nachwuchs hier. Aber die haben echte Hammer rübergeschickt.“ In der zur Sportarena umgerüsteten Bahnhofshalle gab es etwas, was die Amerikaner scheinbar noch nicht kannten: Fankurven. Die Iraner saßen auf der einen Seite und bejubelten jeden gelungenen Zug ihrer Mannschaft.
Die Halle wurde von der Polizei gesichert, auf der Matte aber gewann die Kameradschaftlichkeit. So verbissen auch gerungen wurde, nach dem Kampf umarmten die Kämpfer als erstes die Trainer – die der Gegenseite.

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