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Schock für Superstar Usain Bolt

Altstar Justin Gatlin hat mit seinem Sieg gegen Usain Bolt für eine große Überraschung gesorgt. [KT_CREDIT] FOTO: CLAUDIO PERI
Altstar Justin Gatlin hat mit seinem Sieg gegen Usain Bolt für eine große Überraschung gesorgt. [KT_CREDIT] FOTO: CLAUDIO PERI

VonSebastian Stiekel

Ist es nur ein Fehlstart
in die WM-Saison oder
schon mehr? Sprintstar
Bolt hat völlig
überraschend über
100 Meter gegen
Justin Gatlin verloren.

Rom.Seinen Sinn für große Gesten hat sich Usain Bolt auch im Moment der unerwarteten Niederlage bewahrt. Zur Pressekonferenz nach dem verlorenen 100-Meter-Rennen gegen Justin Gatlin in Rom erschien der Superstar aus Jamaika im Trikot der italienischen Fußball-Nationalmannschaft. Bolt war angefressen, das spürte jeder, aber rein äußerlich gab sich der Weltrekordhalter und Olympiasieger auch nach der erst dritten Niederlage in knapp fünf Jahren über diese Strecke cool.
„Die Saison ist noch sehr jung. Ich habe noch genug Zeit bis zur WM“, sagte Bolt. „Ich werde mir jetzt das Video von dem Lauf angucken und dann sehen, woran ich noch arbeiten muss.“
Zwei Plätze weiter auf dem Podium saß der große Sieger aus den USA und gab sich nicht bloß cool, sondern fast schon gleichgültig. Der ehemalige Olympiasieger, Dopingsünder und jetzt auch Bolt-Bezwinger Gatlin tat so, als hätte er gerade ein Studentenrennen in seiner Heimatstadt New York gewonnen und nicht seiner ohnehin schon filmreifen Karriere eine weitere Episode hinzugefügt. „Nein, ich lächele nicht“, sagte der 31-Jährige. „Ich denke nicht darüber nach, wer neben mir läuft, sondern konzentriere mich auf meine Zeit.“
Erst auf die dritte Nachfrage hin wurde Gatlin dann doch noch pathetisch: „Es ist eine Ehre, gegen ihn (Bolt) zu laufen. Er ist eine Legende. Aber es ist erst der Anfang einer langen Saison – und das gilt für uns alle.“
Was Bolt und Gatlin gleichermaßen ausdrücken wollten: Wirklich ernst wird es erst bei der Weltmeisterschaft im August in Moskau.
Aber trotzdem: Niederlagen von Usain Bolt sind immer etwas Besonderes, weil sie ungefähr so selten vorkommen wie Schnee in Rom. Vor einem Jahr verlor der 26-Jährige bei den jamaikanischen Trials über 100 und 200 Meter gegen Yohan Blake. 2011 wurde er bei der WM in Daegu wegen eines Fehlstarts disqualifiziert. Richtig besiegt wurde er auf internationalem Niveau zuletzt am 6. August 2010 (100 m) von Tyson Gay (USA) und am 22. Juli 2008 (100 m) von Asafa Powell (Jamaika). Sich den WM-Titel zurückzuholen, wird vielleicht doch nicht der von vielen erwartete Spaziergang. Gegen Gatlin hat er nun erstmals verloren, Weltmeister Blake wird nach Verletzungsproblemen auch bald zurückerwartet. Und die Nummer eins in der Weltjahresbestenliste ist immer noch Tyson Gay (9,86). „Ich habe noch einiges zu arbeiten“, meinte Bolt. Am nächsten Donnerstag startet er in Oslo.

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