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Snooker-Genie lässt seine Fans im Ungewissen

VonRobert Semmler

Er begeistert die Snooker-Anhänger wie kein anderer. Ronnie O’Sullivan ist erneut Weltmeister geworden.

Sheffield.In der rechten Hand den WM-Pokal, auf dem linken Arm den stolzen Sohn Ronnie junior: Für Snooker-Genie Ronnie O’Sullivan war der fünfte WM-Titel anders als alle zuvor. Seit seinem Triumph im Vorjahr hatte sich der exzentrische Engländer eine fast einjährige Auszeit genommen und nur ein Pflichtmatch bestritten.
Selbst ohne Spielpraxis schlug der 37-Jährige im Crucible Theatre von Sheffield Vorjahresfinalist Allister „Alli“ Carter, Jungstar Judd Trump und im Finale Landsmann Barry Hawkins mit 18:12. Zum ersten Mal seit 1996 setzte damit sich der Titelverteidiger im Endspiel durch. Als am späten Montagabend sein Sieg in der Billard-Variante feststand, reckte O’Sullivan die Faust und ließ sich von den rund 1000 Zuschauern feiern – nur um sie danach einmal mehr im Unklaren darüber zu lassen, ob er sie mit seinem einmaligen Talent auch weiterhin begeistern wird. „Snooker ist nicht meine Sache“, verkündete O’Sullivan im Lauf des gut zweiwöchigen Turniers. Oder: „Ich habe nur gespielt, weil ich etwas Geld brauchte.“ Zum Beispiel, um die Schulgebühren seines Sohnes zu bezahlen. Oder Forderungen seiner Ex-Freundin und von Anwälten zu erfüllen. „Es ist ein Gemetzel. Es ist nicht schön, Leuten Geld zu schulden“, sagte O’Sullivan.
Umgerechnet knapp
300 000 Euro brachte ihm nun der fünfte Titel. Doch mit dem, was er am besten kann, scheint den Dominator eine innige Hassliebe zu verbinden. Die Menschen rings um das Snooker hätten ihm gefehlt, nicht das Spiel selbst, verkündete O’Sullivan während der WM. Doch dort scheint er all seine Sorgen für eine Weile verdrängen zu können. Suchtprobleme, eine Haftstrafe wegen Totschlags für seinen Vater, der am Montag im Publikum weilte, dazu die üppigen Ausgaben und depressive Schübe. Auch während dieser WM gelang ihm das. „Es sieht nicht so aus, aber manchmal bist du so nah dran, zu zerbrechen.“

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