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Südseetraum: Tahiti-Elf tanzt auf der großen Fußballbühne

Exoten beim Confed-Cup: Der Tanz gehört bei den Spielern von Tahiti zum ständigen Ritual. [KT_CREDIT] FOTO: Shane Wenzlick
Exoten beim Confed-Cup: Der Tanz gehört bei den Spielern von Tahiti zum ständigen Ritual. [KT_CREDIT] FOTO: Shane Wenzlick

VonCharlotte Schneider

Es klingt fast wie ein Scherz: Wenn die besten acht Mannschaften der Fußball-Konföderationen den Testlauf zur WM in Brasilien austragen, spielt auch das Südsee-Team mit.

Belo Horizonte.Das Trainingsgelände des brasilianischen Zweitligisten, auf dem die Fußball-Nationalmannschaft Tahitis eine Einheit absolviert, hat schon bessere Zeiten gesehen. Müde liegt der Rasen im Abendlicht, unzählige Sonnentage haben das Gras gelb und fleckig werden lassen. Spieler und Trainer sind trotzdem begeistert. „Für uns ist das wie im Film. Einen solchen Rasen gibt es bei uns nicht. Wir haben Meer und Sand, aber keine guten Fußballplätze. Gefühlt könnten wir nicht weiter von zu Hause entfernt sein“, sagt Trainer Eddy Etaeta und meint das nicht nur im räumlichen Sinn. Die Elf aus dem Pazifik-Archipel hat nicht nur die beschwerlichste Anreise aller Nationen, sondern auch die längste Eingewöhnungsphase. Tahiti ist als erster der acht Teilnehmer des Confederations Cups in Brasilien gelandet.
Nahezu alles, was für die Fußball-Profis ihrer Gegner völlig normal ist, ist für die Spieler aus dem Südpazifik eine „völlig neue Erfahrung“, sagt Trainer Etaeta und erzählt weiter: „Auf dem Weg hierher sind meine Spieler zum ersten Mal in ihrem Leben Business Class geflogen. Viele waren noch nie auf einem anderen Kontinent oder haben vor der Presse gesprochen. Daher habe ich ihnen gesagt: Ihr erlebt jetzt ein Märchen, aber schnappt nicht über, denn es endet auch wieder.“
Das wundersame Märchen begann, als die Toa Aito am 10. Juni 2012 als erstes pazifisches Land die Ozeanienmeisterschaft gewann. Seither ist auf dem Archipel von der Größe Rügens nichts mehr, wie es war. Das Amt des Pressesprechers wurde spontan geschaffen, Physiotherapeuten wurden eingestellt, die Spieler erhielten Sonderurlaub.

Das Stadion-Los fiel dann
auch noch aufsMaracanã
„Wer wusste vorher schon, dass Tahiti ein Fußballteam hat? Jetzt haben wir die Gelegenheit, uns überall bekannt zu machen, sagt Steevy Chong Hue. Der Stürmer schoss beim 1:0-Sieg im Finale über Neukaledonien das entscheidende Tor. Der Sieg war eine Sensation. Mit Tahiti qualifizierte sich erstmals eine Amateurmannschaft für ein großes internationales Turnier. Beim Confed-Cup trifft der Inselstaat, der in der Weltrangliste auf Platz 139 steht, neben Uruguay und Nigeria auch auf Weltmeister Spanien. „Als uns bei der Ziehung die Spanier zugelost wurden, habe ich geschluckt. Als das Los dann auch noch auf das Maracanã fiel, musste ich mich setzen“, sagt Etaeta. „Zu Hause spielen wir vor 100 bis 200 Zuschauern, in Rio werden es 80000 sein, da müssen wir aufpassen, dass uns die Atmosphäre nicht lähmt.“
Während die Fußballgiganten aus Brasilien, Italien und Spanien längst öffentlichkeits- und medienmüde sind, freuen sich die Polynesier noch aufrichtig über das Interesse. Am Ende seiner ersten Pressekonferenz bedankte sich Etaeta bei jedem der Journalisten mit Handschlag für die Aufmerksamkeit. „Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen“, sagte er.

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