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Traumfrau zwischen Surfbrett und Werbejob

Susi Mai bei einer Surf-Show in Punta Cana. [KT_CREDIT] FOTO: David Pou/Red Bull Content Pool
Susi Mai bei einer Surf-Show in Punta Cana. [KT_CREDIT] FOTO: David Pou/Red Bull Content Pool

VonMichael Brehme

Als Trendsportlerin reichten Susi Mai zweite Plätze
nicht für die große Aufmerksamkeit – also vertiefte sich die 29-jährige Deutsche auf Sponsorenarbeit. Inzwischen tourt sie für Werbefotos
in der Welt herum.

München.Jahrelang startete die Ausnahmekitesurferin Susi Mai bei den bedeutendsten Weltcups ihres Sports – und wusste stets, dass das eigentlich nichts für sie war. „Ich habe gedacht: Oh Mann, schon wieder Competition. Ich war ständig krank, weil’s psychisch nicht hingehauen hat.“ Also machte sie irgendwann Schluss mit dem Abarbeiten des Wettkampfkalenders – und blieb ihrem Sport doch erhalten. Statt sich zu duellieren ist sie nun fast nur noch im Auftrag von Sponsoren mit ihrem Kite unterwegs. Die Geschichte von Susanne – genannt Susi – Mai passt zum Schicksal so vieler Athleten, deren Sportarten nicht über das gerne und oft belächelte Trendsport-Image hinauskommen.
Zu verdienen gibt es für die meisten Wakeboarder, Freerunner, Freeskier, Skate- und Snowboarder oft nur dann was, wenn sie in ihren Nischensportarten die absolute Nummer eins sind. Was natürlich die allerwenigsten schaffen – auch Kitesurferin Susi Mai nicht.
Bis 2010 versuchte sie sich acht Jahre im Weltcupzirkus der Kitesurfer, der vom Weltverband PKRA ausgerichtet wird.

Platz fünf reicht nicht
für das große Geld
Meist landete sie bei den Frauen-Events unter den besten Fünf der Welt. Aber um wohlhabend zu werden, war das schlichtweg zu wenig. „Irgendwann gab es ein Mädel, das schon mit 14 Jahren gewonnen hat. Da wusste ich: Ich werde nie Erste. Da war ich mit Anfang 20 schon die Oma“, sagt Mai. Dann hörte sie auf. Bei den Kitesurfern gibt’s für zweite und dritte Plätze kaum etwas zu verdienen. Die Sponsoren- und Marketingeinnahmen für die Events werden nicht zentral verteilt, die Nationalverbände sind in der Regel klein und schwach, Sporthilfe-Gelder oder Ähnliches gibt's freilich in der Regel auch nicht. Was bleibt, ist die große Abhängigkeit von Sponsoren. Wer aber nicht gewinnt und auch sonst kaum auf sich aufmerksam machen kann, hat fix Finanzprobleme, denn Reisen an die malerischen und oft entlegenen Surferorte kosten viel Geld. Die blonde Susi Mai kann immerhin auf das Pfund ihres Aussehens setzen, für ihre Sponsoren posiert sie in allerhand Werbefotos und -videos. Inzwischen ist die junge Frau viel mehr Werbefigur als Sport-
lerin – vor allem, weil das lukrativer ist.

„Wir versuchen
die Produkte zu verkaufen“
„Wenn jemand was mit mir machen will, zahlen die halt meine Kosten“, sagt die 29-Jährige. Nebenbei moderiert sie Kitetour-Events fürs Internet. „Die Sponsoren waren voll happy. Einer sagte: Cool, das bringt uns ja viel mehr als wenn du nur Vierte oder Zweite wirst, das interessiert ja keinen.“ Letztlich, sagt Mai, seien Trendsportler wie sie nur „Angestellte von unseren Sponsoren – wir versuchen die Produkte zu vermarkten und den Verkauf anzukurbeln“.
Jetzt reist sie hauptberuflich in der Welt herum – für Bildaufnahmen und Moderationen. Zehn Flüge pro Monat habe sie fast immer im Plan stehen, in Deutschland ist sie fast nie, dafür überall sonst auf allen Kontinenten. Manchmal auch ganz spontan. „Ein Kollege ruft an und sagt: Ich geh’ nach Argentinien und mache dies und das, willst Du mitkommen? Und ich sage: Ja klar.“ So läuft das. Und die Sponsoren zahlen gerne. „Wenn du mal einen Namen in der Szene hast, ist es ziemlich einfach, dich da zu bewegen. Einer ruft halt den Sponsor an und sagt: Die Susi will auch mitkommen. Da sagt dann keiner nein.“ Hauptgeldgeber für viele Trendsportler ist Red Bull – auch mit Susi Mai wirbt der Energy-Drink-Hersteller. Zu den Gründen für sein Engagement will sich der Konzern nicht detailliert äußern, auch Zahlen zu gesponserten Athleten gibt es nicht. Klar ist, dass sich die Unternehmen gerne mit einem jugendlichen Touch schmücken.

Irgendwann will sie
zurück auf die Insel
„Bei Freesportarten geht’s um Style, wer sieht cool aus, wer bringt sich cool rüber?“, sagt Susi Mai – und hofft auf Jobsicherheit in ihrem Business. Im vergangenen Jahr habe sie die erste Frauenlinie für Kites entwickelt. „Du hast Fachwissen, das kein anderer kriegt, wirst wertvoll für Firmen“, weiß sie. „Es wäre nicht weit hergeholt, wenn ich später als Athletenmanager anfange.“ Und wenn alles schief geht? „Dann gehe ich eben zurück auf meine schöne Insel.“ Die Eltern wanderten in die Dominikanische Republik aus, kauften dort ein Hotel – direkt am Strand.
Susi Mai sagt: „Da lässt es sich leben.“

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