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Triple-Bayern drohen: Wir bleiben hungrig!

VonJörg Soldwisch

„Super Bayern!“ – Die Münchner feiern sich und ihren Dreifacherfolg.
Und die Gier auf weitere Erfolge, versichern sie,
sei ungebrochen.

Berlin.Es war 0.37 Uhr, die Triple-Feier im Herzen Berlins hatte schon Fahrt aufgenommen, da kulminierte die historische Saison von Bayern München in ihrem wohl emotionalsten Moment. „Uli, komm' hoch!“, rief Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem Präsidenten Uli Hoeneß zu, dazu skandierten mehrere Hundert Menschen im Bankettsaal „Uliuliuli“.
Hoeneß erklomm die Bühne. Und wie er da oben stand, die drei glänzenden Trophäen neben sich und Arm in Arm mit seinem Freund Kalle, da war der große FC Ruhmreich für einen Augenblick ganz bei sich. Hoeneß genoss den Moment, dann entließ Rummenigge ihn, Trainer Jupp Heynckes und diese außergewöhnliche Mannschaft in die Nacht. „Feuer frei! Wir geben Vollgas bis zum Abwinken“, rief er. Rummenigge ließ diesen Worten bald Taten folgen. Als Hoeneß um kurz vor drei Uhr nachts die Hauptstadt-Repräsentanz der Deutschen Telekom verließ, schwang der Bayern-Boss das Tanzbein. Zuvor hatten sich beide noch im Stadion nach dem 3:2 (1:0) im DFB-Pokal-Finale gegen den VfB Stuttgart das erste Gläschen gegönnt, beim Bankett folgten die ihnen in London noch verwehrten Sieger-Zigarren. Die Bayern genossen diesen Abend und die darauffolgende Nacht in vollen Zügen. Drei Titel in einer Saison – das war noch nie da.
In Berlin machten sich Heynckes und seine Mannschaft unsterblich. „Was diese Leistung geschichtlich bedeutet, können wir vielleicht erst in zehn Jahren erfassen“, sagte Stürmer Thomas Müller. Rummenigge schwärmte: „Hier stehen große Fußballer, Franz Beckenbauer, Günter Netzer. Die waren Weltmeister, deutscher Meister, haben den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Aber das Triple hat noch keiner erreicht.“ Die Spieler unterbrachen ihn in diesem Moment mit „Super Bayern“-Sprechchören, dann würdigte er sie als „unglaublich“. Und Beckenbauer bestätigte: „Das ist die beste Mannschaft, die der FC Bayern jemals hatte.“ Der „Kaiser“ würdigte Heynckes als Vater des Erfolges. Der Coach habe in der ganzen Saison nur einen einzigen Fehler gemacht: In die Hauptstadt mit nur einem Anzug zu reisen. Heynckes wurde nach der Pokalübernahme von Lahm um 22.12 Uhr zunächst von Torwart Manuel Neuer, dann viele weitere Male biergeduscht. Zur Pressekonferenz erschien er im Trainingsanzug. Sein Nachfolger Pep Guardiola könne mit dem FCB nurmehr den Eurovision Song Contest gewinnen, spottete Sky-Experte Jan Åge Fjørtoft. Lahm dagegen ist vor der Zukunft „nicht bange“. «Ohne Jupp wird es anders sein, aber wir bekommen auch wieder einen Toptrainer. Die Mannschaft ist in einem perfekten Alter, hat gute Charaktere, da ist noch einiges drin“ sagte er, und drohte der Konkurrenz: „Wir bleiben hungrig.“

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