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Wie geht‘s weiter mit Uli Hoeneß?

Barcelona.Beim feierlichen Bankett nippte auch Uli Hoeneß an seinem Rotwein-Glas. Er blickte hin und wieder auf, doch die präsidiale Freude stellte sich trotz des Stolzes über den furiosen Final-Einzug nur begrenzt ein. Zu groß ist die Belastung in der Steuer-Causa, die er als „völligen Ausnahmezustand“ und „schlimmste Zeit meines Lebens“ beschreibt.
Ungewöhnlich früh, schon um 1.15 Uhr, verließ der 61-Jährige die traditionelle nächtliche Zusammenkunft. Stunden zuvor waren Hoeneß-Aussagen aus einem Interview der „Zeit“ publik geworden, in dem er sein angegriffenes Seelenleben darstellte und auch einen Rücktritt nicht mehr gänzlich ausschloss.
„Wir haben besonders auch für Uli gespielt, denn in letzter Zeit hat er Unwahrscheinliches ertragen müssen. Ich finde, das ist etwas, was ein Mensch gar nicht aushalten kann. Ich bin sowieso an der Seite von Uli. Ich habe alles getan um das Spiel zu gewinnen, auch für Uli“, hatte Trainer Jupp Heynckes seinem Freund schon am Sky-Mikro Mut zugesprochen. Der Bayern-Aufsichtsrat tagt am Montag. In der Sitzung wird es auch um den Fall Hoeneß und die weitere Vorgehensweise gehen.
Aus „heutiger Sicht“, so formulierte es Hoeneß in der „Zeit“, hält er es nicht für möglich, dass er von den Aufsichtsratskollegen zum Rücktritt gedrängt werden würde. „Aber ich kann die Entwicklung der nächsten Tage nicht voraussehen.“ Erstmals überhaupt hat Hoeneß persönliche Konsequenzen nicht mehr ausgeschlossen. Weitere nicht erklärte Konten gebe es nicht, beteuerte der Vereinspatron und ließ durchblicken, wie sehr ihn das riskante Renditespiel an der Börse verführt hatte. Der Börsenspekulant sprach von „Kick“ und „purem Adrenalin“.

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