Nordkurier.de

Zwei Kumpel in der Stadt der Liebe auf WM-Mission

Die Deutschen Dimitrij Ovtcharov (links) und Timo Boll diskutieren nach einer Niederlage gegen die Chinesen.  FOTO: Friso Gentsch
Die Deutschen Dimitrij Ovtcharov (links) und Timo Boll diskutieren nach einer Niederlage gegen die Chinesen. FOTO: Friso Gentsch

VonJana Lange

Timo Bolls Status als klare Nummer eins im deutschen Team hat Dimitrij Ovtcharov mit starken Leistungen zuletzt immer wieder angefochten.

Paris.Sie sind die einzigen Europäer, die Chinas Tischtennis-Asse ernsthaft in Bedrängnis bringen können, sie sind dicke Kumpel, aber auch Konkurrenten: Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov verfolgen ab morgen bei der Einzel-WM in Paris (bis 20. Mai) dieselbe Mission. Als beste Nicht-Asiaten der Welt wollen Deutschlands Top-Spieler die schier übermächtige Phalanx aus dem Reich der Mitte durchbrechen und eine Medaille gewinnen. Ihre Freundschaft aber soll auch in der Stadt der Liebe nicht leiden, egal, wer besser abschneidet. „Wir verstehen uns weiterhin gut. Für mich ist das auch förderlich, dass er mich kitzelt und anspornt“, sagt Boll, der als Nummer fünf in der Weltrangliste nur noch 49 Punkte Vorsprung auf seinen acht Jahre jüngeren Herausforderer auf Rang sieben hat. Zuletzt kassierte Boll im Finale der German Open in Bremen eine 2:4-Niederlage gegen seinen Kumpel, zuvor hatte sich „Dima“ in London das olympische Edelmetall geschnappt, das eigentlich für Boll reserviert schien. Er sei mit 32 Jahren nun einmal in einem Alter, sagt Boll, in dem es nicht mehr „höher und höher“ gehen könne. Für Ovtcharov ist die teaminterne Hierarchie Nebensache – zumindest noch: „Wer in der Weltrangliste wo steht, ist uns egal. Wir beide haben das Ziel, so weit wie möglich vorne zu stehen.“
Boll reiste mit Ehefrau Rodelia und Hündin Carry als eine Art Wundertüte nach Paris. Nach einem anstrengenden Jahr 2012 mit Team-WM, Olympia und EM war bei ihm physisch die komplette Basis weg: „Ich war in einem desolaten körperlichen Zustand.“ Er legte eine Pause ein, machte Urlaub in den USA und baute dann den Körper neu auf. Die Folge: In diesem Jahr hat der Rekord-Europameister noch kein Turnier gespielt, Spielpraxis sammelte er nur mit seinem Klub Borussia Düsseldorf. „Ich weiß selbst nicht genau, wo ich stehe“, gibt Boll ehrlich zu.
Was Edelmetall angeht, hat Ovtcharov mit seinem Bronze-Coup in London Blut geleckt. „Natürlich will ich eine Medaille. Ich bin auch sehr zufrieden mit meiner Form“, sagte der 24-Jährige vom russischen Champions-League-Sieger Fakel Orenburg. Ovtcharov gehört bei dieser WM erstmals zu den gesetzten Top 8 der Welt.
Bei der letzten Weltmeisterschaft in Rotterdam hatte Boll seinen Kumpel Ovt-
charov bereits im Achtelfinale aus dem Turnier geworfen. In Paris wäre das Kumpel-Duell erst im Endspiel möglich. Ein gutes Omen?

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×